Ev.- Luth. Kirchengemeinde Heiligengeist in Kiel

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… ein gute Wehr und Waffen | Reformation

Für Martin Luther war das in deutscher Sprache gesungene Kirchenlied so bedeutsam, weil damit die Gemeinde in das Geschehen des Gottesdienstes eingebunden werden konnte.

Im Singen sollten die Besucher nicht nur selbst aktiv werden, sondern auch persönlich betroffen sein. Das aber – da war sich der Reformator ganz sicher -, kann grundsätzlich nur geschehen, wenn das Lied auch die Sprache des Volkes spricht, und zwar in doppelter Hinsicht: Es sollte die deutsche Sprache sein und eben nicht Latein, und es musste die Begriffe und Sprachbilder aufgreifen, die auch von den Menschen auf der Straße benutzt und verstanden wurden. Wenn diese These Martin Luthers stimmt, dann hat jenes Lied, das wir heute als Inbegriff der Reformation singen, allerdings einige Probleme. „Ein feste Burg ist unser Gott“ lautet die Kopfzeile, die geradezu wie ein Programm der Reformation wirkt und deshalb bis heute auch wie eine Art Reformationshymne benutzt wird. Maßgeblich für diese Bedeutung mag die Tatsache sein, dass Martin Luther selbst die Worte zu diesem Lied geschrieben und mit großer Wahrscheinlichkeit auch die Weise dazu komponiert hat.

Das alles macht es indes nicht leichter, die Zeilen heute zu singen, die zu Luthers Zeiten noch als aktuell gelten konnten und dem Volk nachempfunden waren.Dem kritisch denkenden Gottesdienstbesucher von Heute mag schon die Eingangszeile schwer über die Lippen kommen: „Ein feste Burg ist unser Gott, ein gute Wehr und Waffen.“ Zu militaristisch klingen die Worte, als dass sie ernsthaft als Antwort auf die existenzielle Not unserer Zeit verstanden werden könnten. Ganz besonders prekär aber wird es mit der 4. Strophe. Schon die Eingangszeile ist schlicht nicht zu verstehen, wenn es dort heißt: „Das Wort sie sollen lassen stahn und kein’ Dank dazu haben“: Selbst Hymnologen und Liturgiewissenschaftler quälen sich seit Jahrhunderten mit Versuchen einer Interpretation, allerdings kaum mit großem Erfolg. Und bei der Schlusszeile fehlt dann dem denkend singenden Menschen jedes Verständnis: „Nehmen sie den Leib, Gut, Ehr, Kind und Weib: lass fahren dahin, sie haben’s kein’ Gewinn, das Reich muss uns doch bleiben.“ Übrigens ist diese Skepsis angesichts solch chauvinistisch klingender Zeilen nicht gerade neu. Bereits aus dem 17. Jahrhundert stammen die ersten Proteste, die dazu führten, dass in zahlreichen Liederbüchern die Zeile kurzerhand geändert wurde, und zwar in „das Reich Gottes muss uns bleiben“.

Auf diese Weise sollten sowohl Missverständnisse als auch der Missbrauch verhindert werden. Auch die Gesangbücher für Schleswig-Holstein (Altona 1754 und 1781) präsentierten das Lied Luthers in dieser korrigierten Fassung. Das Gesangbuch von Ratzeburg (1725) präsentierte gar eine sprachlich etwas elegantere Fassung mit den Worten „Gotts Reich muss uns doch bleiben“, und in anderen Varianten findet sich die Formulierung „uns muss der Himmel bleiben“. Noch konsequenter ging schließlich Adolf Schlegel an die Arbeit und bearbeitete den ganzen Text des Liedes, das nun unter dem Titel „Ein starker Schutz ist unser Gott“ veröffentlicht wurde und überall große Beachtung fand. Inwieweit solche Bedenken nicht unbegründet waren, lässt sich in der Geschichte des Liedes leicht aufzeigen. Trotz aller Versuche der Korrektur, die im 17. und 18. Jahrhundert so zahlreich zu finden sind, wurde der Text, der sich eigentlich an den 46. Psalm anlehnt, immer wieder als Kampflied für nationalistische Zwecke missbraucht. Dass dann zur Zeit des 1. und des 2. Weltkriegs diese Neuerungen wieder zurückgedrängt wurden, ist kein Zufall: In den alten Worten kam die gewünschte nationale Note besser zum Ausdruck, das Lied wurde unverhohlen missbraucht.

Als Johann Sebastian Bach das Lied Luthers für das Reformationsfest in Leipzig zu einer Choralkantate verarbeitete - wahrscheinlich um das Jahr 1735 –, waren diese Probleme des Textes noch nicht in dem Maße präsent, dass Bach sie hätte bedenken müssen. Auf jeden Fall zeugen die Sätze, die Bach in der Kantate dem Choral hinzufügte, auch nicht von einem entsprechenden Bewusstsein. Das Rezitativ „So stehe denn bei Christi blutgefärbten Fahne“ dürfte heute wohl den meisten Hörenden nicht weniger Unbehagen vermitteln als die entsprechenden Zeilen aus dem Lied Luthers.

Für eine Runderneuerung der Kantate Bachs entsprechend der Vorschläge aus dem 18. Jahrhundert fehlt den meisten wohl die Bereitschaft, in das als unantastbar geltende Kunstwerk des Thomaskantors einzugreifen. Bei dem Kirchenlied Martin Luthers dagegen sollten wir auf jeden Fall aus theologischen Gründen auf die Fassung Adolf Schlegels zurückgreifen. Den Reformator hätten wir auf jeden Fall auf unserer Seite, war er es doch, der wiederholt alte Kirchenlieder aus der Zeit vor der Reformation sprachlich neu bearbeitet und „verbessert“ hatte.

Matthias Viertel, Pastor


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23.01.2018

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