Ev.- Luth. Kirchengemeinde Heiligengeist in Kiel

Aktuelles

17. Juni bis 7. Juli 2019 | Ausstellung zu Leben und Werk des Theologen Karl Barth

Schweizer! Ausländer! Hetzer! Friedestörer! Vom 17. Juni bis zum 7. Juli ist in der Citykirche St. Ansgar eine Wanderausstellung zu Leben und Werk des Schweizer Theologen Karl Barth zu Gast.

Eröffnung der Ausstellung: Montag, 17. Juni 2019, 19:00 Uhr

Mit einem Vortrag von Prof. Dr. Tim Lorentzen (Christian-Albrechts-Universität zu Kiel): „Zwischen den Zeiten. Kirche und Theologie nach 1918.“

Dienstag, 25. Juni 2019, 19:00 Uhr: Vortrag
„Karl Barth als kritischer Zeitgenosse“ Dr. Peter Zocher (Leiter des Karl Barth-Archivs, Basel) anschließend Oberkirchenrat Mathias Lenz (Landeskirchenamt der Nordkirche, Kiel) im Gespräch mit Dr. Peter Zocher zur Frage „Wie politisch soll Kirche sein?“

Donnerstag, 4. Juli 2019, 19:00 Uhr: Vortrag
„Theologie (in) der Krise – Karls Barths Römerbrief zwischen Expressionismus und Dogmatismus“ Prof. Dr. Hartmut Rosenau (Christian-Albrechts-Uni-versität zu Kiel)

Abschlussgottesdienst in der Citykirche St. Ansgar
Sonntag, 7. Juli 2019, 10.00 Uhr
„Den Vogel im Flug zeichnen“ – Von Gott reden in unserer Zeit (Predigt: Pastor Dr. Stefan Holtmann) anschließend „Mozärtlichkeit“ – Karl Barth über Wolfgang Amadeus Mozart. Betrachtungen, Lesungen und Klavierwerke von Mozart

Eine Matinée mit Pastor i.R. Joachim Liß-Walther

Alle Veranstaltungen: Citykirche St. Ansgar, Holtenauer Str., Öffnungszeiten der Ausstellung: Mo-Fr 10 - 17 Uhr | Sa 10 -14 Uhr, Sonderöffnungszeiten und Führungen nach Vereinbarung

Anlass für diese Ausstellung ist das von der Evangelischen Kirche in Deutschland und dem Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund veranstaltete „Karl Barth-Jahr 2019“, das am 10. Dezember 2018, Barths 50. Todestag, im schweizerischen Basel eröffnet wurde. Der 1886 geborene Karl Barth spielte beson-ders auch in den deutschen kirchlichen und theologischen Diskussionen des 20. Jahrhunderts eine herausragende Rolle und beteiligte sich in einer Aufmerksamkeit hervorrufenden Weise an gesellschaftlichen und politischen Diskussionen. Sowohl das deutsche Nachrich-tenmagazin „Der Spiegel“ als auch das ameri-kanische „Time Magazine“ widmeten ihm eine Titelstory.

Das Jubiläumsjahr erinnert vor allem an das Buch, mit dem Karl Barth einer größeren Öf-fentlichkeit bekannt wurde und das zum wohl wirkmächtigsten theologischen Buch des ver-gangenen Jahrhunderts werden sollte: Zum Jahreswechsel 1918/19 erschien die erste Auf-lage von Barths „Römerbrief“. In dieser Auslegung des neutestamentlichen Briefes lässt Barth die üblichen akademischen Gepflogenheiten weit hinter sich. Im Gespräch mit Paulus suchte er im Kern eine Antwort auf die Frage, wie es unter den Bedingungen der Moderne möglich ist, von Gott zu reden. Mit dem Versuch, „den Vogel im Flug zu zeichnen“, verglich er diese Herausforderung. Barths Sprache atmet expressionistischen Geist.

Ohne die Zeitgeschichte wäre sowohl Barths eigenes Fragen als auch die Wirkung seiner Schriften nicht zu erklären. Barth, der von 1911 bis 1921 Pfarrer im schweizerischen Safenwil war, schrieb das Buch unter dem Eindruck des Ersten Weltkriegs. Die Instru-mentalisierung der christlichen Religion für die kaiserliche Kriegspolitik auch durch seine akademischen Lehrer, darunter Adolf von Harnack, und das Zerbrechen des bisherigen Wertesystems führten bei ihm und vielen jüngeren Geisteswissenschaftlern und Künstlern seiner Generation zu einer Orientierungskrise. Im Römerbrief verstand Barth Gott als „den ganz Anderen“, der sich jedem menschlichen Verfügenwollen entzieht. Theologie und Kirche seien darum nur dann bei ihrer Sache, wenn sie nicht die Religion des Menschen und deren ethische Gestaltungskraft in den Vordergrund stellten, sondern die Frage nach Gott.

Diese theologische Kurskorrektur, die zunächst sein eigenes Denken betraf, rückte alles Welt-liche und Menschliche unter das Vorzeichen des Vorläufigen und Relativen. Ein grundsätzlicher antiideologischer und antitotalitärer Impuls begleitete Barth vor diesem Hintergrund ein Leben lang. Seit dem Herbst 1921 war er Hochschullehrer, zunächst in Göttin-gen, dann in Münster/Westf. und schließlich bis zu seiner Entlassung durch die Nationalsozialisten im Jahr 1935 in Bonn. Er wirkte maßgeblich an der „Barmer Theologischen Erklärung“ mit, jenem Bekenntnistext, der zur theologischen Grundlage der Bekennenden Kirche wurde und auch in der Verfassung der Nordkirche Aufnahme fand. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs setzte er sich früh für eine Versöhnung mit den Deutschen ein. Der Begriff der „Freundschaft“ wurde zentral für ihn – eine kritische, ehrliche Freundschaft sei für die Deutschen gerade in der Stunde Null unentbehrlich. Streitbar war sein politisches Urteil immer wieder. Der Titel der Ausstellung deutet darauf hin. Nachdem er 1935 in die Schweiz zurück-gekehrt war und in Basel lehrte, wurden seine kritischen Stellungnahmen gegen die Nationalsozialisten von den Behörden seines auf Neu-tralität bedachten Heimatlandes beargwöhnt. Später kritisierte Barth politisch rückwärtsgewandte Tendenzen in der frühen Bundesrepu-blik, stellte die deutsche Remilitarisierung in Frage und wollte einer blanken Ablehnung des Kommunismus nicht das Wort reden. Wie politisch Kirche sein soll, muss oder darf – diese Frage soll darum im Rahmen des Begleitprogramms zur Ausstellung diskutiert werden.

Zu den besonders schönen und lesenswerten Texten des literarisch beeindruckend produktiven Barth – allein sein unvollendetes Haupt-werk, die „Kirchliche Dogmatik“, umfasst 13 Teilbände mit zusammen über 9000 Seiten – gehören sein Briefwechsel mit dem Schriftsteller Carl Zuckmayer, der ein nachdenkliches Gespräch zweier Freunde dokumentiert, die einander spät fanden, und eine Schrift über Wolfgang Amadeus Mozart. Darin ist zu lesen: „Ich bin nicht sicher, ob die Engel, wenn sie im Lobe Gottes begriffen sind, gerade Bach spielen ... Ich bin aber sicher, dass sie, wenn sie unter sich sind, Mozart spielen und dass ihnen dann der liebe Gott besonders gerne zuhört.“

Pastor Stefan Holtmann


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Monatsspruch April 2019

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Mt 28,20 (L)

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26.05.2019

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