Ev.- Luth. Kirchengemeinde Heiligengeist in Kiel

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Theologischer Beitrag: Abendmahl für Kinder - Pro

Von Pastorin Sigrun König

Die Auseinandersetzung mit dem Thema „Abendmahl mit Kindern feiern“ entstand ursprünglich aus einer Erfahrung. Während ich selber schon in meiner Heimatgemeinde als Kind am Abendmahl teilnehmen durfte, beobachtete ich in meinem Vikariat folgende Szene bei der Austeilung des Abendmahls meiner Anleiterin: Es wurde zum Abendmahl eingeladen, und neben vielen Erwachsenen ging auch eine Mutter mit ihrer Tochter nach vorne. Die Mutter empfing eine Oblate, die Pastorin sprach dann freundlich mit dem Mädchen und segnete es. Als sie weiterging, wollte das Kind von ihrer Mutter wissen, warum sie denn ausgeschlossen wurde. Daraufhin teilte die Mutter mit ihrem Kind die Oblate, und ich bekam den deutlichen Eindruck, dass die beiden wirklich Abendmahl feierten.

Gemälde Fritz von UhdeAbendmahl ist die Einladung Jesu: „Und nun kommt, denn es ist alles bereit. Schmecket und sehet, wie freundlich Gott ist.“ Im gefeierten Mahl schenkt er Versöhnung, Hoffnung und Freude. Es ist Aufgabe der Kirche, diese Einladung an alle Getauften weiterzugeben. Warum dann aber nicht an die getauften Kinder? Durch Theologischer Beitrag die Taufe sind auch sie vollwertige Mitglieder der Kirche. Da bedarf es keiner nachträglichen Ergänzung, um auch das Abendmahl empfangen zu dürfen. Im 1. Korintherbrief 11 geht es darum, dass das Abendmahl im Glauben empfangen werden soll und dass es mir möglich sein muss, das Abendmahl von einem gewöhnlichen Mahl zu unterscheiden. Das können aber auch schon Kinder und sie merken, dass vorne im Altarraum etwas ganz Wichtiges geschieht, etwas Heiliges – nicht nur etwas, das uns heilig ist, sondern das Heilige, der Heilige ist auf einmal unter uns. Sie als die Kleinsten bleiben aber davon ausgeschlossen. Das ist nicht in Jesu Sinn, wenn er sagt: Lasst die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht; denn solchen gehört das Reich Gottes (Mk 10,14). Er ist beim Abendmahl in unserer Mitte. Lassen wir die Kinder zu ihm kommen und wehren ihnen nicht.

Schauen wir aber auch noch einmal über die Bibel hinaus auf die Kirchengeschichte: Wie gesagt, grundsätzlich war in der frühen Christenheit jede/r getaufte Christ/-in zum Abendmahl eingeladen, auch die Kinder. Diese selbstverständliche Praxis wurde erst im Mittelalter nachträglich eingeschränkt. Martin Luther dann war der Meinung, dass das Abendmahl nach ausreichender Unterweisung eingenommen werden durfte. Wer den Katechismus auswendig konnte, war somit zum Abendmahl zugelassen. In einer traditionsgeleiteten Gesellschaft war aber auch sichergestellt, dass dem ersten Abendmahlsgang weitere folgen würden.

Heute ist die Konfirmation leider oft der Abschluss eines bis dahin viel zu kurzen Weges mit Gott und der Kirche. Findet der erste Abendmahlsgang erst zur Konfirmation statt, so folgt ihm keine vertiefende Praxis, die wiederum in ein immer tieferes Glaubens-Verstehen des Abendmahls hinein führen würde. Zugespitzt könnte man formulieren: Wer die ersten 14 Jahre seines Lebens auf das Abendmahl verzichten konnte, der kann es auch weiterhin. Das einmalige Feiern zur Konfirmation macht es nicht zu einem Grundbedürfnis meines (Glaubens-) Lebens. Somit sollte das erste Abendmahl zu einer Zeit eingenommen werden, in der eine Prägung noch möglich ist. Die größere emotionale Offenheit ermöglicht es Kindern, Erfahrungen beim Abendmahl zu machen, die uns Erwachsenen so unmittelbar gar nicht mehr möglich und den Jugendlichen in der Pubertät lediglich peinlich sind. Die Pädagogik ist inzwischen zu der Erkenntnis gelangt, dass Erfahrung wichtiger Bestandteil des Lernens ist. Der Vollzug kommt vor dem Verstehen. Ein Kleinkind lässt einen Bauklotz immer wieder fallen, bevor es das Gesetz der Schwerkraft versteht. Das einübende Verhalten geht somit dem Verstehen voraus. Der Wille zum Verstehen aber greift Raum durch das Gefühl. Versöhnung, Hoffnung, Freude und Frieden gewinnen für die Kinder Bedeutung, auch wenn Sünde, Opfertod und Rechtfertigung schwierige Begriffe für sie sind. Aber mal ehrlich: Welcher Erwachsene kann diese Worte so ohne weiteres erklären?

Voraussetzung für die Wirksamkeit des Sakramentes ist somit einzig und allein der Glaube. Unerheblich ist dabei „die Menge“ des Glaubens, oder die Größe des Intellektes. Darüber hinaus müsste jeder, der die Frage stellt, ob es ein „noch nicht“ beim Abendmahl für Kinder gibt, auch die Frage stellen, ob es ein „nicht mehr“ bei demenzerkrankten Menschen oder gar ein „nie“ bei Menschen mit geistigem Handicap gibt. Inklusion darf aber keine leere Worthülse sein, sondern sollte nicht nur im täglichen Zusammensein, sondern selbstverständlich in unserer Glaubensgemeinschaft gelebt werden. Gott macht keine Unterschiede.

Ich plädiere deutlich dafür, dass wir auch Kinder zum Abendmahl einladen, in dem Wissen, dass nicht eigentlich wir die Einladenden sind. ER, Gott, lädt uns ein an seinen Tisch. Wir geben die Einladung nur weiter, z.B. am Ostersonntag, wenn wir in der Pauluskirche einen Familiengottesdienst feiern, in dem wir alle gemeinsam das Abendmahl feiern.

Pastorin Sigrun König

 


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Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen,
bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann.
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16.11.2018

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