Ev.- Luth. Kirchengemeinde Heiligengeist in Kiel

Aktuelles

Die Jünger wurden nicht gewählt!

Theologische Anmerkungen zur Wahl unseres Kirchengemeinderats

An erster Stelle steht im Neuen Testament nicht die Wahl, sondern das Prinzip der Berufung. Die Jünger wurden jedenfalls ohne Ausnahme von Jesus berufen; er hat sie persönlich ausgewählt und zur Nachfolge aufgefordert. Von Wahlen, gar in einem geläufigen demokratischen Verständnis ist dabei überhaupt nicht die Rede. Und es erscheint auch vollkommen absurd, sich die Zusammenstellung der Jüngerschaft im Sinne eines demokratischen Wahlvorgangs vorzustellen. Allerdings gilt es dabei zu beachten, dass es sich in diesem Falle eben nicht um die Übernahme eines Amtes handelte, sondern um die Entscheidung für ein Lebensprinzip.

Wie die ersten Ämter im Bereich der Urgemeinde besetzt wurden, erfahren wir aus der Apostelgeschichte. Offensichtlich stellte es ein gewisses Problem dar, aus der Fülle der möglichen Kandidaten die geeignete Person herauszufinden. Beispielhaft lässt sich das an der Nachwahl des 12. Apostels aufzeigen. Das Gremium „der Zwölf“ war dabei einerseits in der Zahl der Summe der israelischen Stämme, andererseits der von Jesus berufenen Jüngerschaft verpflichtet. Erst mit dem Ausscheiden des Judas ergab sich das Problem, diese Lücke wieder schließen zu müssen. Tatsächlich trat damals die Gruppe „der Zwölf“ im Sinne eines Gemeindevorstands auf, und in der Situation, das Gremium wieder komplett zu bekommen, wurde zwischen zwei Kandidaten durch Los entschieden, eben nicht durch demokratische Abstimmung.

Dass dieses Zufallsprinzip des Losens, bei dem durch das begleitende Gebet die Hoffnung auf göttliche Fügung entscheidend ist, dennoch nicht ganz ohne einen auf Mehrheitsfindung angelegten Meinungsbildungsprozess auskam, verdeutlicht in diesem Fall die Rahmensituation. Immerhin war eine Gruppe von rund 120 „Brüdern“ aus diesem Anlass versammelt, so dass allein die Bestimmung zweier Kandidaten für die Endauswahl eine Herausforderung dargestellt haben muss. Wie das geschehen ist, beschreibt die Apostelgeschichte leider nicht im Detail, allerdings heißt es: „Sie stellten zwei auf“. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass diese Aufstellung in der Tat durch Mehrheitsfindung unter den verbliebenen Jüngern stattgefunden haben muss, so dass eine Mischung aus Wahl und Losentscheid zur Bestimmung des fehlenden Apostels geführt hat.

Ähnlich lief es bei der Wahl der sieben Diakone, die sich um die Versorgung der Witwen kümmern sollten. Interessant an dieser Wahl ist jedoch, dass es im Vorfeld zu einem „Murren“ unter den Jüngern kam, denn die „griechischen“ Jünger fühlten sich von den judenchristlichen „hebräischen“ Jüngern benachteiligt und behaupteten, dass sie immer übergangen würden. Unabhängig von der Frage, wie diese strittige Wahl ausging, können wir aber feststellen, dass es auch damals schon Fraktionen gab, beziehungsweise dass die Wahl durch Bildung von Interessensgruppen beeinflusst wurde.

Auch wenn wir heute, im Jahr 2016, unseren Kirchengemeinderat neu wählen müssen, stehen wir in dieser Tradition des Neuen Testamentes. Und wir können uns darauf besinnen, dass kirchengeschichtlich betrachtet die Wahl eine Möglichkeit ist, das neue Leitungsgremium der Gemeinde zusammenzusetzen. Eine andere ist die Berufung, und manchmal kann es sogar gut sein, das Los entscheiden zu lassen. Auf jeden Fall aber wäre es eine gute Ausgangssituation, wenn auch wir wie damals die Apostel auf eine Menschengruppe von mehr als 100 Menschen schauen könnten, die sich alle engagiert um dieses Amt bemühen.

Matthias Viertel, Pastor


« zurück zur Übersicht

Monatsspruch April 2018

Jesus Christus spricht: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.
Johannes 20,21

Veranstaltungsorte

Das Gemeindezentrum finden Sie an der Holtenauer Straße 91, direkt neben der Citykirche St. Ansgar.

Der Paulus-Pavillon befindet sich neben der Pauluskirche am Niemannsweg.

Freunde der Kirchenmusik

Werden Sie Mitglied und unter- stützen Sie unsere Kirchenmusik www.kirchenmusik-kiel.de

Diakonisches Werk

www.diakonie-altholstein.de

Tageslosung

21.04.2018

Stricke des Todes hatten mich umfangen, ich kam in Jammer und Not. Aber ich rief an den Namen des HERRN: Ach, HERR, errette mich!

Psalm 116,3.4