Ev.- Luth. Kirchengemeinde Heiligengeist in Kiel

Die neue Gottesdienstordnung

Zur liturgischen Reform in der Gemeinde Heiligengeist

Teil 1: Die Salutatio

Im Leben der orientalischen Gesellschaft haben Grußformeln eine andere Bedeutung als in unserer gegenwärtigen westlichen Gesellschaft. Sie sind auf Gegenseitigkeit angelegt, stellen fast so etwas dar wie ein Bündnis bzw. eine Einverständniserklärung. Die Formulierung des Pastors bzw. der Pastorin „Der Herr sei mit euch“, auf die die Gemeinde dann antwortet „und mit deinem Geist“, ist deshalb mehr und etwas ganz anderes als eine bloße Begrüßung wie wir sie üblicherweise mit einem gemurmelten „Moin“ oder etwas ausführlicher mit „Guten Morgen“ ausdrücken. In dem Austausch, der als Salutatio (Heilsankündigung) bezeichnet wird, gibt der Pastor zu verstehen, dass seine Ausführungen in dem folgenden Gottesdienst einem speziellen Auftrag unterliegen. Und die Gemeinde bestätigt dieses, indem sie dem Pastor eben den Geist Gottes auch zuspricht. Als eine Art Vertrauensvorschuss mag man das empfinden, ohne den der folgende Gottesdienst in der Tat nicht viel Sinn gibt. Diese Formel der Salutatio ist also noch etwas anderes als die freundliche Begrüßung und Einstimmung der versammelten Gemeinde, die in unseren gegenwärtigen Gottesdiensten üblich geworden und auch sinnvoll ist. Fraglich ist allein, wo der richtige Platz für die Salutatio im Ablauf des Gottesdienstes ist.
In der Geschichte des christlichen Gottesdienstes hat die Zahl der Formeln zur „Heilsankündigung“ über die Jahrhunderte immer mehr zugenommen. Im späten Mittelalter wurde schließlich sogar jeder einzelne Abschnitt des Gottesdienstes mit einer speziellen Salutatio eingeleitet. In dieses Wirrwarr hat die Reformation wieder Ordnung gebracht.

An zwei Stellen schien den Reformatoren die Salutatio nach wie vor wichtig: Zum Eingang des Gottesdienstes, und zur Eröffnung des Sakramentsteils. Dort begegnen wir den Grußformeln auch noch in unseren Ordnungen. Allerdings hat sich dadurch eine anderes Problem ergeben: Wann und womit beginnt eigentlich der Gottesdienst? Traditionellerweise stand die Salutatio unmittelbar vor dem ersten Gebet der Gemeinde. Das machte Sinn, denn in den alten Gottesdiensten war das auch der Moment, in dem der Pastor/die Pastorin zum ersten Mal in Erscheinung trat. Die vorausgehenden Abschnitte wurden vom Liturgen oder von Kirchenältesten gestaltet.

Das hat sich in unseren Gottesdiensten geändert. Dort beginnt der Gottesdienst eben mit einer freundlichen Begrüßung, die die Salutatio zwar nicht ersetzt, aber ergänzend an ihre Seite tritt. Um in dieser veränderten Situation die ursprüngliche Bedeutung der Salutatio als „Heilsankündigung“ deutlich zu machen, hat sich der Liturgieausschuss dafür ausgesprochen, sie wieder ganz an den Anfang zu rücken. Die Pastorin oder der Pastor beginnt dann den Gottesdienst mit den Worten „Der Herr sei mit euch“, die Gemeinde antwortet „und mit deinem Geist!“, und dann erst folgt eine Begrüßung der Gemeinde, möglicherweise mit ein paar Worten, die auf die Bedeutung des jeweiligen Sonntags hinweisen.

Wichtig ist dabei eben nicht nur, dass die liturgische Eröffnung tatsächlich ganz am Anfang steht, sondern überdies, dass die versammelte Gemeinde sich darüber im Klaren ist, wieweit das Gelingen des Gottesdienstes tatsächlich von diesem gegenseitigen Versprechen abhängt: „Ich gelobe, nicht meine persönlichen Wünsche und Vorstellungen im Gottesdienst in den Vordergrund zu stellen, sondern das Wort Gottes zu vertreten. Und du sprichst es mir zu, den Geist Gottes dabei aufzunehmen und weiterzugeben.“ Ein schönes Ritual, ein Pakt der Gemeinsamkeit, ein gesungener Vertrauensvorschuss, der für beide Seiten so wichtig ist.

Dr. Matthias Viertel

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Die neue Gottesdienstordnung

Zur liturgischen Reform in der Gemeinde Heiligengeist

Die Einführung
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Teil 1: Die Salutatio
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Teil 2: Von Wertschätzung, Achtsamkeit und der Bitte um Erhörung
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Teil 3: Das Wort der Verkündigung
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Teil 4: Der Schluss
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Teil 5: Das Abendmahl
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17.07.2018

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2.Mose 19,6