Ev.- Luth. Kirchengemeinde Heiligengeist in Kiel

Die neue Gottesdienstordnung

Zur liturgischen Reform in der Gemeinde Heiligengeist

TEIL 3: Das Wort der Verkündigung


In den Evangelischen Kirchen, speziell in der lutherischen Tradition, hat das biblische Wort eine herausragende Bedeutung, sowohl in der Form der Lesung als auch in der aktualisierenden Fassung der Predigt. Martin Luther wurde gar nicht müde, immer wieder darauf hinzuweisen, dass der Gottesdienst mit diesem Element steht und fällt. Und so galt für ihn die Regel: „wo nicht Gotts Wort gepredigt wird, ists besser, das man widder singe noch lese, noch überhaupt zusammen kome.“

In unseren gegenwärtigen Gottesdiensten hat der so genannte Wortteil deshalb zu Recht eine herausragende Bedeutung und bildet schon rein zeitlich betrachtet den Schwerpunkt. Aber – und das sollte nicht übersehen werden -, auch dieser Wortteil ist eben nur ein Teil neben anderen. Für die Zeit der Reformation war die bloße Information durch das Vorlesen und Predigen von außerordentlicher Bedeutung, denn kaum jemand besaß selbst ein Buch, geschweige denn dass die versammelte Gemeinde des Lesens kundig war. Genau hier liegt nun ein wichtiger Unterschied zur Gegenwart. Wir sind nicht mehr auf den Gottesdienst angewiesen, um die Geschichten aus der Bibel kennen zu lernen und zu verstehen. Nützlich ist es zwar noch immer, aber eben nicht notwendig, denn die bloßen Informationen können wir aus Rundfunk, Fernsehen und Internet empfangen, und eine Bibel dürfte heute wohl in fast jedem Haushalt zu finden sein. Deshalb haben der liturgische Eingangsteil des Gottesdienstes wie auch die Feier des Abendmahls und die Musik in den letzten Jahrzehnten wieder stark an Bedeutung gewonnen.

Geblieben ist bei allem Wandel die grundsätzliche Ausrichtung des Wortteils im Gottesdienst auf die biblischen Lesungen, die Predigt und die Abkündigungen. Seit der Reformation hat es sich eingebürgert, die biblischen Texte in zwei Lesungen zu präsentieren, die als Epistel und Evangelium unterschieden werden. Der Begriff der Epistel ist dabei nicht zu eng zu verstehen, denn neben den Briefen können auch andere Schriften aus dem Neuen Testament an dieser Stelle gelesen werden und sogar Texte aus dem Alten Testament. Wichtig war in der alten Kirche indes der Übergang von der allgemeinen biblischen Lesung der Epistel hin zur Verkündigung des Evangeliums. Um diesen Übergang als Steigerung festlich zu untermauern, wurde zwischen den beiden Lesungen ein ausgiebiges und fröhliches Halleluja gesungen. Als liturgisches Element findet sich dieser Gesang auch in unseren Gottesdiensten, wird dort allerdings häufig als feierliche Einrahmung der Epistel missverstanden. Eine solche liturgische Rahmung findet sich nur bei der Lesung des Evangeliums. An das Evangelium schließt sich bündig das Glaubensbekenntnis (Credo) an. Da es sich bei diesem Text nicht etwa um ein Gebet handelt, sondern in der Tat um ein Bekenntnis, das den Zusammenhalt der weltweiten Christenheit zum Ausdruck bringen soll und deshalb die Glaubensinhalte in ihrem Kern zu einem Hymnus verbindet, wird dieses Credo auch nicht in Richtung auf den Altar gesprochen, sondern wie auch die Lesungen vom Pult aus. In unserer Gemeinde pflegen wir den Brauch, dass Kirchenvorsteherinnen bzw. Lektoren den Text intonieren, um ihn dann zusammen mit der versammelten Gemeinde zu sprechen.

Erst jetzt, nachdem die wichtigen Texte eine Grundlage für den Gottesdienst gegeben haben, betritt der Pastor resp. die Pastorin die Kanzel für die Predigt. Dass es mit der Kanzel einen speziellen Ort für diesen Teil des Gottesdienstes gibt, ist kein Zufall. Die Kanzel ist etwas abgerückt vom Altar, sie soll auch nicht mit dem Pult verwechselt werden, das der feierlichen Verlesung der Heiligen Schriften dient. Wichtig ist hier vielmehr die Annäherung an die Gemeinde, denn bei der predigenden Aktualisierung der biblischen Stoffe kommt es vor allem auf Nähe an, und zwar auf sprachliche, inhaltliche und örtliche Nähe zu den angesprochenen Menschen.

Erst nachdem die Abkündigungen vorgelesen worden sind, kann dieser „Wortteil“ des Gottesdienstes abgeschlossen werden. Dazu dient in der Regel der so genannte „Kanzelsegen“. Dabei handelt es sich um den apostolischen Gruß (Phil 4,7): „Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Jesus Christus!“ Auch wenn diese alten biblischen Worte dazu einladen mögen, in der Formulierung neue Varianten zu versuchen, haben sie sich in ihrer Knappheit doch seit knapp zwei Jahrtausenden gut bewährt. Schon die Ergänzung „der höher ist als alle unsere Vernunft“ gibt eher Anlass zum Grübeln, denn der Friede ist tatsächlich immer höher als die Vernunft, nicht nur bei uns, sondern auch bei Gott. Auf den Kanzelsegen antwortet die Gemeinde schließlich mit einem kräftigen „Amen!“

Dr. Matthias Viertel

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Die Einführung
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Teil 1: Die Salutatio
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Teil 2: Von Wertschätzung, Achtsamkeit und der Bitte um Erhörung
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Teil 3: Das Wort der Verkündigung
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Teil 4: Der Schluss
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Teil 5: Das Abendmahl
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17.07.2018

Der HERR spricht:  Ihr sollt mir ein Königreich von Priestern und ein heiliges Volk sein.

2.Mose 19,6