Ev.- Luth. Kirchengemeinde Heiligengeist in Kiel

Die neue Gottesdienstordnung

Zur liturgischen Reform in der Gemeinde Heiligengeist

TEIL 4: Der Schlussteil


Der Hohepriester Aaron. Karelische Ikone aus dem
18. JahrhundertWer je einen Aufsatz schreiben musste oder auch nur einen Brief verfasst hat, weiß sehr wohl, wie schwer einem gerade die ersten und die letzten Sätze fallen. Der Schluss ist dabei noch einmal von besonderer Bedeutung, weil die letzten Worte in der Erinnerung mitgenommen werden und alles Gesagte zum Schluss bündeln sollen. Das ist bei Texten so und auch bei einem Gottesdienst ist das prinzipiell nicht anders. Im liturgischen Ablauf hat der abschließende Teil eines Gottesdienstes deshalb die Aufgabe, den Übergang vom sonntäglichen Gottesdienst in das Alltagsgeschehen zu gewährleisten. Das beginnt in der Regel damit, dass die Gedanken aus den Lesungen und der Predigt in einen ausführlichen Gebetsteil übernommen werden. Dieses Gebet im Anschluss an die Verkündigung wird etwas präziser als Fürbitte oder als Fürbittengebet bezeichnet, weil hier nun die Anliegen der Gemeinde in der Welt aufgelistet werden.

Da es als Gebet direkt an Gott gerichtet ist, wird es vor dem Altar gesprochen und zwar in Richtung auf den Altar bzw. auf das Kreuz. In der Regel wird der Pastor oder die Pastorin zumindest die ersten und die letzten Sätze der Fürbitte sprechen, während Lektoren oder auch Gemeindeglieder die einzelnen Bitten vortragen können. Um der Gemeinde das aktive Mitbeten zu erleichtern, können die einzelnen Bitten durch gesungene oder gesprochene Gebetsrufe der Gemeinde (z.B. „Herr erbarme dich“) unterstützt werden. Darüber hinaus hat sich inzwischen das eingefügte stille Gebet eingebürgert, durch das der Einzelne die Gelegenheit bekommt, seine ganz persönlichen Gedanken einzubringen. In jenen Fällen, in denen im Gottesdienst kein Abendmahl gefeiert wird, schließt sich an die Fürbitte das Vaterunser an.

Damit ist der abschließende Teil des Gottesdienstes eingeleitet, der aus drei Elementen besteht: der Sendung, dem Segen und dem musikalischen Ausklang. Die so genannte Sendung (Gehet hin im Frieden des Herrn) leitet sich von der alten lateinischen Formel „ite, missa est“ ab, die einst dem Gottesdienst den Namen der Messe gegeben hat und direkt übersetzt soviel bedeutet wie: „Gehet hin, ihr seid entlassen!“ Mit diesen etwas schroffen Worten, die ein wenig nach Schulunterricht klingen, sollte nicht nur ein deutlicher Schlusspunkt gesetzt, sondern zugleich auch deutlich gemacht werden, dass aller Gottesdienst nur Sinn ergibt, wenn die Besucher dann auch mit den aufgenommenen Gedanken und dem Segen hinaus in ihre Welt gehen, um das Erfahrene dort umzusetzen. Deshalb pflegt die versammelte Gemeinde auch mit einem einstimmigen „Deo gratias“ (Gott sei ewiglich Dank) auf diese Wegweisung zu reagieren.

Erst jetzt schließt sich der Segen an. Dabei handelt es sich in der Regel um den Aaronitischen Segen, der sich übrigens erst mit der Reformation in den Ordnungen durchgesetzt hat. Er geht bis auf alttestamentliche Zeiten zurück und soll den Worten Aarons, des Bruders von Moses entsprechen (4 Mose 6,24-26). Dieser Aaronitische Segen ist den Ordinierten vorbehalten, da er zwar in die Formulierung einer Bitte um Segen gekleidet ist, diesen aber ausdrücklich und auch persönlich zuspricht. Schon aus diesem Grunde ist es nahe liegend, wenn der Segen im Singular gesprochen wird (also: Der Herr segne dich und behüte dich!) und damit eine individuelle Zusage zum Ausdruck bringt, die durch die Geste des Kreuzzeichens unterstrichen wird. Ob dieser Segen gesungen oder gesprochen wird, ist dabei zweitrangig. Wird der Gottesdienst von einer nichtordinierten Person gestaltet, sollte eine ausdrückliche Bitte um Segen und zwar in der Pluralform gewählt werden (Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige Gott). In jedem Falle aber behält der Segen gewissermaßen das letzte Wort im Gottesdienst. Aus diesem Grunde schließt sich auch kein weiterer Gesang der Gemeinde an; sinnvoll ist vielmehr ein musikalischer Nachklang, der nun – sozusagen im Anschluss an den Gottesdienst - auch aus freier Literatur, also liturgisch ungebundener Musik gestaltet werden kann.

Dr. Matthias Viertel

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Zur liturgischen Reform in der Gemeinde Heiligengeist

Die Einführung
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Teil 1: Die Salutatio
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Teil 2: Von Wertschätzung, Achtsamkeit und der Bitte um Erhörung
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Teil 3: Das Wort der Verkündigung
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Teil 4: Der Schluss
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Teil 5: Das Abendmahl
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19.02.2018

Gefällt es euch nicht, dem HERRN zu dienen, so wählt euch heute, wem ihr dienen wollt. Ich aber und mein Haus wollen dem HERRN dienen.

Josua 24,15