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Kunst: Dagmar Schulze-Ross - Künstlerin in Farbe und Licht

Von Bernhard Mieth
Wer in die Pauluskirche kommt, dessen Blick wird sofort von den drei Farbfenstern über dem Altar gefesselt.

Die hindurchscheinende Sonne wirft farbige Reflexe auf die weißen Wände und den Fußboden, zu jeder Tageszeit anders. In der hellen, kaum farbigen Kirche leuchten die Fenster wie Glut in der Asche.

Alle Kirchenbesucher kennen die Fenster, aber nur wenige wissen, dass die Künstlerin noch bis vor kurzem unter uns lebte. Bis zu ihrem Tod vor einem Jahr, am 25. Mai 2012, hatte Frau Dagmar Schulze-Ross ihre Atelier-Wohnung im Sternwartenweg. 85 Jahre alt ist sie geworden, von denen die meisten ihrem Lebensthema gewidmet waren: Licht, Farbe, Glanz und Schimmer.

Dagmar Schulze studierte in den Nachkriegsjahren an der Kieler Muthesius-Schule und der Stuttgarter Akademie. Zusammen mit ihrem 2007 verstorbenen Ehemann Alfred Roß hat sie zahlreiche Gebäude geschmückt – nein, mehr als das, gestaltet. Denn ihre Fensterwände sind in der Regel nicht Beiwerk, sondern wesentlich für das Erleben des Innenraums. So nicht nur in der Bugenhagen-Kirche in Kiel-Ellerbek, der methodistischen Christus-Kirche in der Gneisenaustraße oder in der hier weniger bekannten Johanneskirche in Beilstein-Billensbach (Kreis Heilbronn), sondern ebenso auch in unserer Pauluskirche.

Als Dagmar Schulze 1957 an die Gestaltung unserer Fenster ging, ließ sie sich vom Namenspatron der Kirche inspirieren, genauer gesagt von seinem berühmtesten Zitat: „Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“ (1. Kor. 13, 13). Diese drei christlichen Wesenszüge sind in den Fenstern dargestellt, mit der Liebe in der Mitte. Wie kann eine Künstlerin solche Allgemein-Begriffe darstellen?

Dagmar Schulze hat drei Wege beschritten.
Zunächst die Farbe: Das Fenster Liebe hat einen roten Hintergrund, das Fenster Glaube (links) einen blauen und das Fenster Hoffnung (rechts) einen grünen.

Dann die Symbole: In den runden Feldern in den Spitzbögen sind Tiere abgebildet, für die Liebe das Lamm Gottes, für den Glauben der Fisch als das heimliche Erkennungszeichen der Urchristen in der Verfolgung und für die Hoffnung die Taube des Heiligen Geistes, die im Sturzflug zu den Menschen kommt.

Der dritte Darstellungs-Weg scheint mir der interessanteste. In den großen Fensterfeldern sehen wir Gruppen von je vier Menschen. Zusammen sind es zwölf, so dass man unwillkürlich an die Apostel denkt, aber die Dargestellten zeigen nicht die üblichen Merkmale für die Apostel. Stattdessen scheinen es Personen verschiedener Hautfarbe zu sein, und es sind einige Frauen darunter.

Die zwölf Personen stehen hier also eher für das ganze christliche Volk – und Glaube, Liebe und Hoffnung sind ja auch eine Zusage und eine Aufgabe nicht nur für die Apostel, sondern für das ganze christliche Volk. Nicht alle Menschen sind gleich. Auch die christlichen Geistesgaben und Aufgaben sind unterschiedlich verteilt.

Worin unterscheiden sich die Personengruppen in den verschiedenen Fenstern? Erst auf den zweiten Blick erkennen wir, dass sie unterschiedlich hoch stehen! Wer Liebe übt (Mitte), muss mit beiden Beinen auf dem Boden stehen, den Menschen und ihrem Kummer nah. Wer von der Hoffnung gezogen ist (rechts), nähert sich dem Himmel, die Erde verliert für ihn und sie an Bedeutung. Wer aus dem Glauben lebt (links), steht zwischen Himmel und Erde in der Mitte, der Erde und ihrer Not verhaftet und doch mit dem Himmel verbunden.

Die Fenster wurden gestiftet von Familie Langneß aus unserer Gemeinde aus Dankbarkeit für Bewahrung in einem gefährlichen Unfall. Sie sind übrigens signiert, und zwar das linke und das rechte Fenster jeweils am untersten Rand. Um die Schrift zu erkennen, ist ein Fernglas hilfreich. Rechts steht: „Thema Paulus. Gestaltung: Dagmar Schulze“. Links: „Ausgeführt Gebr. Kuball, Hamburg 1958“. Ob es Zufall ist, dass die Künstlerin ihren Namen gerade in das Hoffnungsfenster gesetzt hat?

Wir gedenken ihrer in Dankbarkeit, weil sie unserer Pauluskirche einen solchen geistlichen Blickpunkt geschaffen hat, und vertrauen darauf, dass sie sich jetzt der himmlischen Farben in Gottes Licht freuen darf.

Bernhard Mieth


Foto: Bernhard Mieth



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