Ev.- Luth. Kirchengemeinde Heiligengeist in Kiel

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Mal ehrlich?

Zur diesjährigen Fastenaktion 'Sieben Wochen ohne Lügen'

„Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht.“ Kennen Sie das Sprichwort? Ich bin mit dieser Redewendung aufgewachsen und seitdem begleitet sie mich mal mehr, mal weniger auf meinem Lebensweg. Ehrlicherweise habe ich lange Zeit nicht über das Thema „Lüge“ nachgedacht. Nicht erst in den letzten Jahren, aber dennoch zunehmend hat „Lüge(n)“ eine größere gesell-schaftliche Relevanz bekommen. Dabei habe ich entdeckt: in dem Sprichwort steckt viel Wahrheit über Lüge(n) drin. Etwa, was Lüge(n) für das menschliche Miteinander bedeutet. Erstens: Eine Lüge funktioniert nur dann, wenn wir im Vertrauen voneinander erwarten, Wahres zu sagen. So hofft also der Lügner, dass der Angelogene ihm die Lüge abnimmt und für wahr hält. Und zweitens: Lügen können dazu führen, dass Menschen einander nicht mehr vertrauen, selbst wenn nach einer Lüge wie-der Wahres zueinander gesprochen wird. Zum Sprichwort gehört daher noch ein zweiter Teil: „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht und wenn er auch die Wahrheit spricht.“ Aber, mal ehrlich: Wie viel lügen Sie in Ihrem Alltag? Vielleicht ist die erste Reaktion: Ich, ach, eigentlich nie...und man räuspert sich. War das nun schon die erste Lüge? Tatsächlich spielen Lügen eine recht normale Rolle in unseren Leben. Da gibt es die Notlüge (beispielweise zu den Kindern: „Der Spielplatz hat heute geschlossen“) und die ganz alltäglichen Situationen, in denen wir uns zu einer kleinen (harmlosen?) Lüge hinreißen lassen. Neben den Lügen im zwischenmenschlichen Bereich gibt es noch eine weitere Form: Die Lüge sich selbst gegenüber. Sich selbst etwas vormachen, für wahr halten, was aber nicht den äußeren Umständen entspricht. Sei es, dass man in sich Talente schlummern sieht, die aber nicht mit der Realität übereinstimmen. Oder aber, dass man Beziehungen zu Freunden oder zum Partner bzw. zur Partnerin ganz anders einschätzt, als sie sind. Manchmal (oftmals?) ist Wahrheit schwer zu ertragen und eine Lüge scheint da eine angenehme Lösung zu sein. Wenn aber Lügen doch so alltäglich sind, ab wann sind sie schädlich? Oder andersherum gewagt gefragt: Wann ist die Wahrheit schädlicher als eine Lüge?

Welche Auswirkungen Lügen auf zwischen-menschliche Beziehungen haben, zeigt sich für mich an der alttestamentlichen Erzählung über Esau und Jakob, die Zwillingssöhne von Isaak. Esau, der Erstgeborene ist der Lieblings-sohn des Vaters. Jakob hingegen, der sich bei der Geburt noch an der Ferse seines Bruders festgehalten hat, wird von der Mutter, Rebek-ka, bevorzugt. Die Lügengeschichte beginnt eines Tages mit der Rückkehr Esaus vom Feld. Mit leerem Magen findet er Jakob vor, wie er gerade einen Linseneintopf kocht. Jakob beginnt mit Esau zu verhandeln: Essen gegen Erstgeborenenrecht. Esau willigt ein mit der Begründung: „Ach, ich sterbe fast vor Hunger. Was soll mir da die Erstgeburt?“ (Gen 25,32). Wie sich im Laufe der Geschichte aber zeigen wird, denkt Esau gar nicht daran, sein Recht an seinen Zwillingsbruder abzugeben. Als nun die Zeit gekommen war, dass der Vater Isaak im Sterben liegt, will er den Segen an seinen Erstgeborenen Esau weitergeben. Er bittet ihn, loszuziehen, Wild zu jagen und ihm sein Lieblingsessen zuzubereiten. Danach erhalte er den Segen. Rebekka bekommt von der Absprache Wind, schmiedet einen Plan und kümmert sich darum, dass Jakob noch vor Esau zum Vater geht und sich als seinen Bruder ausgibt. Isaak fragt mehrfach nach, ob da wirklich sein Sohn Esau sei, und Jakob lügt ihn mehrfach an. Dann endlich erhält Jakob den Segen für den Erstgeborenen. Die Geschichte nimmt ihren Lauf: Nur kurz danach kehrt Esau zurück und erfährt, was geschehen ist und nicht mehr rückgängig gemacht werden kann. Was zurückbleibt, ist eine zerrüttete Familie. Der Vater, der von seinem Sohn Jakob um des Segens Willen belogen wurde. Die beiden Brüder, die sich gegenseitig belogen haben um ihres jeweiligen Vorteils Willen. (Esau will aus Zorn seinen Bruder sogar töten, weswegen Jakob zu seinen Verwandten fliehen muss.) Und die Mutter Rebekka, die an der Lügengeschichte aktiv mitgesponnen hat. Die Lügen zerstören nachhaltig die familiäre Gemeinschaft. Aber nicht nur im familiären und zwischen-menschlichen Bereich spielen Lügen und ihre Folgen eine entscheidende Rolle.

Auch im gesellschaftspolitischen Kontext gibt es rund um die Frage nach Lügen und ihren Konsequenzen Redebedarf. Anfang 2017 wurde von einer Beraterin des US-Präsidenten Trump die Wortkombination „alternativen Fakten“ sozusagen erfunden und noch im selben Jahr in Deutschland zum Unwort des Jahres gekürt. Die Zusammenstellung dieser zwei Begriffe „alternativ“ und „Fakten“ suggeriert, dass es im klassischen Sinne nichts Wahres und nichts Gelogenes mehr gebe. Zu allen Fakten bestünden immer auch „Alternativen“ und seien es unbelegte Behauptungen. Aber was bedeutet es, wenn Argumente an Bedeutung verlieren? Wenn es für alles immer auch eine „alternative Ansicht“ gibt? Auswirkungen dessen las-sen sich schon an einigen Stellen in der Gesellschaft erleben. Für mich stellt sich dabei unter anderem folgende Frage: Wie können wir gelingend miteinander kommunizieren, wenn es, zugespitzt formuliert, auf der einen Seite die Anhänger und Anhängerinnen der öffentlich-rechtlichen Sender gibt und auf der anderen Seite diejenigen, die ihre Nachrichten und Informationen primär über soziale Medi-en beziehen? Wie kann es gelingen, dass wir mit unseren Meinungen ins Gespräch kommen und über Wahres und Falsches konstruktiv diskutieren? Denn ich glaube, dass wir eines Austausches und eines gemeinsamen Ringens bedürfen um das, wofür es sich beim Thema Wahrheit zu streiten lohnt. „Mal ehrlich! Sieben Wochen ohne Lügen“ - unter diesem Motto steht die diesjährige Fasten-aktion der evangelischen Kirche in Deutschland. Ab dem Beginn der Passionszeit am 6. März 2019 lädt die Aktion dazu ein, sich mit dem Thema Lüge und Wahrheit auseinandersetzen. Die wöchentlich stattfindenden Passionsandachten bei uns in der Kirchengemeinde werden sich daher genau mit diesem Thema beschäftigen. Kommen Sie und lassen Sie uns mal ehrlich sein.

Pastorin Daniela Meyer


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Monatsspruch April 2019

Jesus Christus spricht: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.
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22.04.2019

Zur letzten Zeit wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen.

Jesaja 2,2.4