Ev.- Luth. Kirchengemeinde Heiligengeist in Kiel

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Neues Buch über die Pauluskirche und ihre Schwesterkirchen

Kiel ist die einzige deutsche Stadt, die vier ehemalige Garnisonkirchen hat. Darin spiegelt sich wider, welche Bedeutung die Marine zur Zeit des Deutschen Kaiserreiches für die Stadt hatte.

Kiel ist einzigartig! Nun gut, das wussten wir schon – aber warum eigentlich? Hier möge jede(r) eine eigene Liste aufstellen, was Kiel interessant und lebenswert macht. Ich möchte ein Alleinstellungs-Merkmal hinzufügen: Kiel ist die einzige deutsche Stadt, die vier ehemalige Garnisonkirchen hat. Darin spiegelt sich wider, welche Bedeutung die Marine zur Zeit des Deutschen Kaiserreiches für die Stadt hatte. Es sind drei ehemalige Marinekirchen: Unsere Pauluskirche, unsere katholische Nachbarkirche St. Heinrich, die Petruskirche in der Wik, die noch bis in Bundeswehrzeiten als Garnisonkirche genutzt wurde; und dazu für die Artilleristen der Friedrichsorter Festung die dortige Bethlehemkirche, die als provisorischer Holzbau errichtet wurde, aber die Zeiten überdauert hat.

Für die drei Marinekirchen ist nun ein hochinteressantes Buch erschienen, das ihre Architektur und die dahinter stehenden Konzeptionen erläutert und in die Kunstgeschichte einordnet: Die Kieler Garnisonskirchen - Kirchenbau um 1900 zwischen Historismus und Moderne. Die Autorinnen und Autoren stammen aus dem Historischen und Kunsthistorischen Institut an unserer Universität. Prof. Oliver Auge beschreibt einleitend das Verhältnis von Stadt und Marine in der Wilhelminischen Zeit, in der die Stadt mit Hilfe und unter der Fuchtel der Marine zu einer der wichtigsten Großstädte des Reichs heranwuchs. Prof. Klaus Gereon Beuckers gibt einen Überblick über die Entwicklung des Stadtbilds in dieser Zeitspanne. Die Marine besetzte damals städtebaulich markante Punkte und demonstrierte damit das Selbstbewusstsein des preußisch-deutschen Reichs, das mit den Jahren noch wuchs. Das ist dann auch in der Architektur der Marinekirchen ablesbar, die nicht nur als Kirchen, sondern gleichzeitig auch als Marine-Repräsentanten gebaut wurden. Sie werden in den Artikeln von Jens Lowartz (Pauluskirche), Charlott Hannig (St. Heinrichskirche) und Sören Gross (Petruskirche) in der architektonischen Gestaltung beschrieben und kunstgeschichtlich eingeordnet. Dabei wird auch auf die konzeptionellen Grundlagen eingegangen: Was sind die grundsätzlichen Ansprüche an einen Kirchenbau? Und welche besonderen Anforderungen hat jede Zeit an eine Garnisonkirche gestellt? Welche Stilelemente galten wann und warum als besonders geeignet?

Zum Schluss des Bandes wird noch in einem besonderen Artikel der Altar von Otto Flath in der Petruskirche, der 1939 die ursprüngliche expressionistische Gestaltung ersetzte, sorgfältig beschrieben und gedeutet. Katharina Priewe widerlegt die mehrfach vollzogene Einordnung in die nationalsozialistische "deutsche Kunst" und führt die Ikonographie der Figuren auf die christlich-mystisch-theosophische Prägung Flaths aus den 20-er Jahren zurück.

Alle Artikel sind ausführlich bebildert, auch mit Vergleichsbeispielen aus anderen Kirchen, so dass Leserin und Leser sich eine abgerundete Vorstellung machen können. Es wird einige Kenntnis von architektonischen Fachausdrücken vorausgesetzt, aber das Buch erschöpft sich bei weitem nicht in einer Zustandsbeschreibung. Wer sich für Kunstgeschichte oder für die Vergangenheit Kiels interessiert, wird das Buch mit Gewinn lesen. Da Garnisonkirchen in ihrer speziellen Eigenart noch kaum erforscht sind, ist das Buch auch von überregionaler Bedeutung.

Anmerken möchte ich noch, dass das Buch durchgehend "Garnisonskirchen" schreibt. In Wilhelminischer Zeit schrieb man "Garnisonkirchen" ohne verbindendes "s". Bei Computer-Recherchen empfiehlt es sich, auf diesen Unterschied zu achten.

Bernhard Mieth

Die Kieler Garnisonskirchen. Kirchenbau um 1900 zwischen Historismus und Moderne.
Herausgegeben von Klaus Gereon Beuckers und Katharina Priewe.
Sonderveröffentlichungen der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte Band 83. Verlag Ludwig, Kiel 2017. 199 Seiten, zahlreiche Abbildungen (schwarz-weiß), fest gebunden, 24,90 Euro (für Mitglieder der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte 17,00 Euro).


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