Ev.- Luth. Kirchengemeinde Heiligengeist in Kiel

Aktuelles

Predigt zum Nachhören

Die Predigt vom Ewigkeitssonntag zum Nachhören und vom 8. November zum Nachlesen

hier ist der Text des Ewigkeitssonntag zu Hören.

 

Am 8. November wurde gelesen:

 

Aktuelle Stimme, vorgetragen von Luise:

Avital Grinberg ist 21 Jahre alt und kommt aus Berlin. Sie studiert dort Kunst- und Bildgeschichte. Sie erzählt, wie sie ihre Religion hier in Deutschland wahrnimmt.
Das Judentum ist nicht nur eine Religion für mich, sondern ein wesentlicher Teil meiner Identität. Allein wenn Leute meinen israelischen Namen hören, werde ich jedes Mal damit konfrontiert, soll von mir erzählen. Als Jüdin bin ich automatisch gezwungen, mich mehr mit meiner Religion auseinanderzusetzen als zum Beispiel Christen, die Teil einer Mehrheitsgesellschaft sind. Wenn ich etwa sage, ich esse kein Schweinefleisch, weil das nicht koscher ist, muss ich den Leuten erklären können, warum das so ist. Aber das tue ich auch gerne. In Israel muss ich das allerdings nicht, weil ich da ein natürlicher Teil der Gesellschaft bin. In Deutschland habe ich eher das Gefühl, die ewige Jüdin zu sein.
Im Moment befasse ich mich viel mit der Rolle der Frau im Judentum. Das ist ein großer Konfliktpunkt für mich. Genau wie in den meisten anderen Religionen sind die Traditionen und Gesetze von Männern dominiert. Aber ich habe gelernt, dass man das, was von Jüdinnen verlangt wird, im historischen Kontext sehen muss. Vor 3000 Jahren mag es Sinn ergeben haben, sich nach der Periode reinzuwaschen. Bei den heutigen Hygienestandards verschiebt sich der Sinn eher zu einer spirituellen Reinigung.
Ich möchte noch viel über das Judentum lernen und mein Wissen dann auch an meine Kinder weitergeben. Schließlich habe ich hart dafür gearbeitet und – nachdem ich säkular aufgewachsen bin – mich ganz bewusst für meinen Glauben und meine Identität entschieden.
Quelle: https://ze.tt/jung-juedisch-deutsch-meine-freunde-die-kippa-tragen-verstecken-sie-aus-angst-unter-einer-baseball-cap/?wt_zmc=sm.ext.zettaudev.mail.ref.zett.article_mailbutton.link.x&utm_medium=sm&utm_source=mail_zettaudev_ext&utm_campaign=ref&utm_content=zett_article_mailbutton_link_x

 

 

Aktuelle Stimme, vorgetragen von Jella 

Eine weitere jüdische Stimme aus der heutigen Zeit ist die 24 jährige Avital. Sie ist Studentin und engagiert sich in jüdischer Jugendarbeit. Früher sagte ihre Mutter zu ihr, dass sie sich in manchen Situationen mit falschem Namen, dem Namen Anna vorstellen sollte. Denn der Antisemitismus ist auch heute nicht Tod und Avitals Name führte oft zu unangenehmen Fragen und Erklärungen: Bist du Jüdin? Woher kommen deine Eltern? Bist du deutschsprachig aufgewachen? Fühlst du dich deutsch?Heute steht sie dafür ein und hat ein starkes jüdisches Selbstbewusstsein entwickelt.
Avital ging auf zwei verschiedene Schulen: Eine Öffentliche und eine private, jüdische Schule. Bevor sie auf die jüdische Schule wechselte, kam es immer wieder zu Konfrontationen zwischen ihr und LehrerInnen aufgrund ihrer Religion. Sie sagt, dass die zum Beispiel in Geschichte so zwangsläufig zur Botschafterin des Holocausts wurden, obwohl sie selbst nicht mehr wusste als alle anderen. Zudem hatte sie immer das Gefühl, dass sie sich mit ihrer Religion als etwas Einzigartiges präsentieren musste, weil genau das sonst der Grund gewesen wäre, durch den sie gemobbt worden wäre. Auf der neuen Schule wurden die jüdischen Feiertage gefeiert und sie empfand den Wechsel als gewonnene Freiheit.
Des Weiteren sind die Reaktionen auf ihr jüdisch Sein immer noch sehr gespalten. Auch Verwunderung, Mitleid und Hass erfährt sie in ihrem Alltag. Auch heute kommt sie noch in unangenehme Konfrontationssituationen, in denen sie nicht sein möchte, und wie sie selbst sagt: “Da erinnere ich mich dann halt irgendwie wieder daran, warum ich manchmal Anna heiße.”

 

 

 

Gedicht „Poem“ von Selma Meerbaum-Eisinger, vorgetragen von Annike

Poem – Selma Meerbaum-Eisinger (1941)

Die Bäume sind von weichem Lichte übergossen,
im Winde zitternd glitzert jedes Blatt.
Der Himmel, seidig-blau und glatt,
ist wie ein Tropfen Tau vom Morgenwind vergossen.
Die Tannen sind in sanfte Röte eingeschlossen
und beugen sich vor seiner Majestät, dem Wind.
Hinter den Pappeln blickt der Mond aufs Kind,
das ihm den Gruß schon zugelächelt hat.

Ich möchte leben.
Schau, das Leben ist so bunt.
Es sind so viele schöne Bälle drin.
Und viele Lippen warten, lachen, glühn
und tuen ihre Freude kund.
Sieh nur die Straße, wie sie steigt:
so breit und hell, als warte sie auf mich.
Und ferne, irgendwo, da schluchzt und geigt
die Sehnsucht, die sich zieht durch mich und dich.

Ich möchte leben.
Ich möchte lachen und Lasten heben
und möchte kämpfen und lieben und hassen
und möchte den Himmel mit Händen fassen
und möchte frei sein und atmen und schrein.
Ich will nicht sterben. Nein!
Nein.
Das Leben ist rot,
Das Leben ist mein.
Mein und dein.
Mein.

Warum brüllen die Kanonen?
Warum stirbt das Leben
für glitzernde Kronen?
Dort ist der Mond.
Er ist da. Nah. Ganz nah.

Das Leben ist bunt.
Du willst mich töten.
Weshalb?
Aus tausend Flöten
weint der Wald.

Die Straße ist hell.
Dann...
Sie kommen dann
und würgen mich.
Mich und dich
tot.
Das Leben ist rot,
braust und lacht.
Über Nacht
bin ich tot.

Ein Schatten von einem Baum
geistert über den Mond.
Man sieht ihn kaum.
Ein Baum.

Ein Leben
kann Schatten werfen
über den
Mond.
Ein Leben.

Hauf um Hauf
sterben sie.
Stehn nie auf.
Nie
und
nie.

Gedicht von Mascha Kaleko, das sie 1938 auf der Überfahrt nach Amerika verfasst hat; vorgetragen von Jascha:

Wir haben keinen Freund auf dieser Welt.
Nur Gott. Den haben sie mit uns vertrieben.
Von all den vielen ist nur er geblieben.
Sonst keiner, der in Treue zu uns hält.


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Monatsspruch Nov. 2020

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Jer 31,9 (L)

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24.11.2020

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