Ev.- Luth. Kirchengemeinde Heiligengeist in Kiel

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Theologischer Beitrag: Abendmahl für Kinder - Contra

Von Pastor Dr. Matthias Viertel

Es ist eine Standardsituation: Der Pastor hat gerade die Eingangsliturgie zur Eucharistie angestimmt und wendet sich anschließend an die Gemeinde, um diese herzlich zur Teilnahme am Abendmahl einzuladen. Mit Rücksicht auf jene Menschen, die keinen Alkohol trinken wollen oder dürfen, wird - wie allgemein üblich - das Abendmahl in den sogenannten „zwei Tischen“ zelebriert: Bevor in der zweiten Runde der Wein gereicht wird, gibt es in der ersten Runde Traubensaft. Und dann stehen sie auf einmal vorne am Altar, der auf Grund dieses Rituals auch als Tisch des Herrn bezeichnet wird, nicht nur Erwachsene sondern auch Kinder. In der Regel kommen sie zusammen mit ihren Eltern oder manchmal auch mit den Paten, freuen sich auf die Teilnahme und stehen dort lächelnd mit großen Augen und harren der Dinge, die auf sie zukommen.

Wie sollen der Pastor respektive die Pastorin nun handeln? Natürlich kann er/sie die Kinder nicht zurückweisen, das würde sofort als unhöflich, wenn nicht sogar als familienfeindlich betrachtet werden. Außerdem zeugt es auch nicht gerade von seelsorgerlichem Einfühlungsvermögen, überhaupt Menschen in der Kirche zurückzuweisen. Also wird der Pastor/ die Pastorin liebevoll zurücklächeln und dem Kind eine Oblate in die Hand drücken und weitergehen. Aber dann, wie verhält er sich bei der Gabe des sakramentalen Zeichens, das als „Christi Blut“ bezeichnet wird? Früher wurde diese Entscheidung dadurch erleichtert, dass die zelebrierende Person das Kind guten Gewissens übergehen konnte, weil Wein ja sowieso nicht in Frage kommt. Nun aber fällt die Entscheidung bei dem Reichen von Traubensaft nicht so einfach, soll das Kind also in vollem Maße am Abendmahl teilhaben? Und welche Alternative bietet sich an?

Nicht immer ist das, was aus Gründen der Höflichkeit und des Taktes geraten erscheint, auch richtig! Wir machen ständig Kompromisse auch und gerade in Glaubensdingen, und die Teilnahme am Abendmahl gehört in diese Kategorie. Speziell in der Kirche gibt es diese ständige Befürchtung, nicht kindgerecht und damit auch nicht familienfreundlich zu handeln. Das Ergebnis sind häufig Gottesdienste, in denen dann keiner mehr zu seinem Recht kommt, weil die Kinder sich naturgemäß bei der Predigt langeweilen, die Erwachsenen aber gerade kommen, um etwas zu hören, was sie angeht und betrifft. Wenn wir bei der Frage, ob das Abendmahl auch Kindern gereicht werden sollte, zunächst einen Moment zögern, dann liegt das daran, dass das Abendmahl eben nicht ein beliebiges Symbol für den Zusammenhalt der Menschen und auch nicht bloß ein nettes Zeichen für gegenseitige Zuwendung ist. Das Abendmahl, und deshalb gilt es überhaupt als „heilig“, ist vielmehr Kern des Gottesdienstes und darüber hinaus Zentrum des gelebten Glaubens einer Gemeinde, die in diesem Ritual ihre Gemeinschaft mit Jesus Christus zelebriert. Für die lutherischen Kirchen der Reformation ist dieses Sakrament gebunden an den Glauben jener Person, die Brot und Wein empfängt. Martin Luther wollte damit zum Ausdruck bringen, dass es nicht die Substanz des Brotes bzw. des Weines ist, die an sich heilig ist oder als Leib und Blut gelten kann. Erst durch den Akt der Gabe und der Aufnahme im Glauben wird es dazu.

Dennoch war es für Luther wichtig, die Gegenwart Christi im gemeinsamen Mahl zu betonen, so dass es sich eben nicht nur um eine Handlung der Gemeinde handelt. Deshalb sagen wir in der Liturgie bewusst nicht „dieses Brot symbolisiert den Leib Christi“, sondern es heißt ausdrücklich „dies ist mein Leib, für dich gegeben“ und „mein Blut, für dich vergossen zu Vergebung der Sünden“. Untrennbar verbunden mit der Feier der Eucharistie ist deshalb auch die Bitte um den Heiligen Geist, der die Verwandlung der Gaben, des Menschen und der Welt befördern möge. Ist bei einer solchen Feier, die sinnvoll nur als Gemeinschaftsmahl der Christen, also der Getauften, gefeiert werden kann, die Teilnahme von Kindern ratsam?

Theologisch betrachtet war es plausibel, wenn früher die Konfirmanden im Laufe ihrer Unterrichtszeit an das Abendmahl herangeführt wurden und die Teilnahme erst durch ihre Konfirmation erwirkten. Der Kreis der im Heiligen Abendmahl versammelten Gemeinde darf auf keinen Fall beliebig und von allen Vorbedingungen entbunden werden; so muss die Taufe unbedingt vorausgesetzt werden, wenn die sakramentale Feier nicht grundsätzlich an Bedeutung verlieren soll. Es gibt also durchaus Gründe, Kinder nicht am Abendmahl teilnehmen zu lassen, oder zumindest nicht im vollen Maße. Wer etwa Brot reicht aber Wein bzw. Saft den Erwachsenen vorbehält, wird damit nicht automatisch zum Kinderfeind abgestempelt. Möglicherweise ist es ja sogar ein Irrtum zu glauben, dass es besonders kindgerecht ist, wenn man die Kinder ohne Unterscheidung einfach in die Welt der Erwachsenen aufnimmt. Auch Kindern kommt es zugute, wenn sie mitbekommen, dass nicht alles, was Erwachsene tun, auch ihnen offensteht.

Pastor Matthias Viertel


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