Ev.- Luth. Kirchengemeinde Heiligengeist in Kiel

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Theologischer Beitrag: Die Kirche und das Geld

In der Kirche tun wir uns schwer damit, offen und vorbehaltlos über Geld zu sprechen.

Zwar wird in den Gottesdiensten stets Geld gesammelt, aber diese Art der Kollekte, deren Zweck sogar von der Kanzel abgekündigt wird, geschieht meistens mit einer gewissen Distanz und dem Hinweis, dass es ja einem wohltätigen Zweck dient und immer für die Anderen bestimmt ist. Da traut sich dann sogar der Pastor, einmal an den Geldbeutel zu appellieren. Darüber hinaus gilt es aber eher als anrüchig, den „schnöden Mammon“ in der Vordergrund zu rücken. Wenigstens in der Kirche soll das Geld nicht alles regieren, wenigstens hier mögen andere Kriterien gelten als jene des freien Marktes. Deshalb sind fast alle Veranstaltungen kostenfrei oder eben über eine freiwillige Spende am Ausgang zu finanzieren. Und nicht zuletzt wird von den Mitstreitern in der Kirche auch ein gewisses Quantum an Idealismus erwartet, so dass Ehrenamt gefragt ist, nicht aber die Dienstleistung gegen Honorar. Nicht der pekuniäre Verdienst soll im Vordergrund stehen, stattdessen geht es hier einmal um einen anderen Verdienst, der sich in geistlichen Werten bemessen lässt.

In diesem Sinnen sind auch die Kirchensteuern Ausdruck eines Solidarsystems: Wir bezahlen mit diesen Steuern keinesfalls eine Dienstleistung, die wir von der Kirche erwarten, sondern denken dabei an die anderen Mitmenschen, an die Notleidenden und an jene, die jene Hilfe benötigen, die sie von der Kirche erwarten können. Wir sorgen damit dafür, dass es Kirchen und Gottesdienste geben kann, dass sich irgendjemand um die Alten und Kranken kümmert und den jungen Menschen wenigstens ansatzweise Werte vermittelt, die in der marktwirtschaftlich ausgerichteten Gesellschaft sonst unterzugehen drohen.

Und doch kommen wir als Kirche nicht umhin, auch die andere Seite zu bedenken, denn immerhin ist unsere Kirche als einer der größten Arbeitgeber im Lande ausgewiesen, sie muss mit riesigen Summen umgehen, nicht nur, um wohltätig sein zu können, sondern auch um die Versorgung der eigenen Mitarbeitenden zu garantieren. Ohne Geld geht es schon lange nicht in der Kirche, und wenn wir genauer hinschauen, war es schon immer so, schon seit 2000 Jahren stehen finanzielle Probleme auf der Tagesordnung der Kirchenältesten.
Bereits die Urgemeinde hat damit reichhaltig Erfahrung sammeln können. Dort hatten sich die um Petrus versammelten Jünger darauf eingelassen, alles Privatvermögen zugunsten einer Gemeindekasse aufzugeben, und dann folgerichtig auch nicht mehr dem Geld beziehungsweise Profit hinterherzulaufen, sondern das Vorhandene lieber unter den Armen zu verteilen (Apg 2,45). Ausschlaggebend für diese Entscheidung waren verschiedene Hinweise von Jesus, die in diese Richtung interpretiert worden waren; so zum Beispiel der Ausspruch: „Niemand kann zwei Herren dienen, entweder er wird den einen hassen und den anderen lieben, oder er wird an dem einen hängen und den anderen verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.“ (Mt 6,24) Als Aufforderung zu einer konsequenten Entscheidung wurde das gewertet, entweder Geld oder Glaube sei hier möglich, was denn auch durch das mahnende Wort, eher ginge ein Kamel durch das Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes komme (Mt 19,24), scheinbar unterstrichen wird.

Die Anhänger eines religiös begründeten Sozialismus verweisen gerne auf diese Forderungen und richten sich an der Urgemeinde aus. Leider vergessen sie dabei meistens, auch von den Konsequenzen zu berichten. Denn schon damals scheiterte das Modell, die Jerusalemer Gemeinde verarmte vollends, so dass schließlich in den etwas wohlhabenderen Gemeinden im hellenistischen Bereich die Heidenchristen für die Brüder und Schwester in Jerusalem sammeln mussten, um deren Schulden tilgen zu können. Hier liegt übrigens die Urquelle aller Kollekten, die wir bis auf den heutigen Tag in unseren Kirchen sammeln.

Wie aber war das von Jesus denn nun gemeint, wie deutete er diese verhängnisvolle Beziehung zwischen Geld und Glaube tatsächlich? Einerseits gab er seinen Jüngern die dringende Empfehlung mit auf den Weg: „Ihr sollt nicht Gold noch Silber noch Kupfer in euren Gürteln haben, auch keine Reisetasche, auch nicht zwei Hemden, keine Schuhe, auch keinen Stecken, denn ein Arbeiter ist seine Arbeit wert.“ (Mt 10,9) Keine Frage, dass es sich hierbei um einen Appell an die Bescheidenheit handelt, wie sonst sollten die Jünger als Missionare überzeugend auftreten können, wenn sie nicht zugleich im eigenen Lebenswandel auf alles Überflüssige verzichten mochten. Inwieweit diese Empfehlung allen Menschen in der Nachfolge Christi gilt, mag ein jeder und eine jede für sich klären, nicht abwegig ist es jedoch, diese Empfehlung zumindest auf den Weg der Kirche zu übertragen. Eine Kirche, die sich nicht auf das Wesentliche beschränken kann, macht sich unglaubwürdig, auf jeden Fall wären Skandale wie jener in Limburg durch Befolgung dieser Mahnung zu vermeiden.

Auf der anderen Seite distanzierte sich Jesus keinesfalls von jenen Menschen, die zu seiner Zeit mit Geldwirtschaft in Verbindung gebracht wurden, im Gegenteil ging er sogar direkt auf sie zu. Ein gutes Beispiel dafür ist der Jünger Matthäus, der vor seiner Entscheidung, Jesus zu folgen, als Zöllner sein Geld verdiente (Mt 9,9). Warum Jesus gerade auf ihn setzte, bleibt uns ein Geheimnis. Immerhin waren Zöllner damals die Steuereintreiber der Antike, deshalb waren sie unbeliebt und als Inbegriff eines Sünders verrufen. Auf unsere heutigen Verhältnisse übertragen, wäre es sogar ihre Aufgabe gewesen, die Kirchensteuer gleich mit einzufordern. Als direktes Vorbild der Kirchensteuer kann dabei die Tempelsteuer gelten, die jeder erwachsene Mann zu entrichten hatte. Auch Jesus wird diese Tempelsteuer gezahlt haben, wandte sich allerdings mit einem verblüffenden Zorn gegen die Wechsler, die sich im Vorhof des Tempels niedergelassen hatten, um den Pilgern die für den Tempel erforderliche Währung einzutauschen. Ihnen zeigte er sogar die Peitsche und trieb sie unter Schmähungen aus dem Tempelbereich.
Das Verhältnis zwischen Glaube und Geld bleibt angesichts dieser Betrachtungen durchaus ambivalent. Auch in den folgenden Jahrhunderten der Gründungsphase der Kirche blieb es ein schwelendes Thema. Klemens von Alexandrien kam um 200 n. Chr. auf den Gedanken, dass weder Geld noch Besitz an sich schlecht sein könne oder sogar verboten werden müsste, vielmehr sei es alleine der Umgang damit, der über den Glauben bzw. das Gottesverhältnis entscheidet. Dabei ist es bis heute geblieben. Wir halten nach wie vor an der Steuer fest, um einen lebendigen und gelebten Glauben finanzieren zu können. Zugleich aber achten wir sorgsam auf die Trennung, damit das Geld selbst keinen göttlichen Status erhält oder der Luxus zum Mammon wird. Andererseits funktioniert dieses sensible Arrangement nur, wenn die Kollekte ein Solidaritätsprinzip bleibt, bei dem alle das geben, was zu geben sie in der Lage sind. Wer dagegen Steuern hinterzieht, betrügt automatisch auch um die Kirchensteuer. Vielleicht hat Jesus gerade deshalb mit dem Zöllner Matthäus einen Menschen in seine Nachfolge berufen, der im Verhältnis von Geld und Glaube einen falschen Weg eingeschlagen hatte. Mit dieser Entscheidung konnte er zeigen: Es geht auch anders, du kannst deinen Weg jederzeit korrigieren.

Dr. Matthias Viertel, Pastor


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