Ev.- Luth. Kirchengemeinde Heiligengeist in Kiel

Aktuelles

Was bleibt von der Krise?

Das Gute? Wir lernen unsere Grenzen kennen!

Wir lernen unsere Grenzen kennen, die persönlichen Grenzen und die von Gesellschaft und Politik!

Persönlich sind wir in den letzten Monaten oft an unserem Menschsein gehindert worden. Da, wo wir sonst spontan die Umarmung gewählt haben, weil uns Worte als zu nichtssagend erschienen, blieb uns jetzt in den Tagen nur die Geste des Winkens. Wir Menschen brauchen aber zum Leben die Berührung. Besonders unsere Kinder sind auf den Körperkontakt angewiesen. Wie soll man ihnen erklären, dass das Toben mit einem anderen Kind nicht erlaubt ist, dass sie die Oma nicht umarmen dürfen, um die Oma zu schützen, wie gehen eigentlich die kleinen Kinderseelen damit um?
Wahrscheinlich werden wir uns dann bei den ersten Umarmungen fast erdrücken, so haben wir diese gegenseitige Berührung vermisst. Diese unsichtbare Grenze, die wir zwischen uns aufbauen mussten, wollen wir bestimmt nicht wieder aufrichten.
In der Zeit der Kontaktbeschränkungen mussten wir auch ganz neu lernen, unsere Zeit einzuteilen: Wann arbeite ich und bin im Homeoffice für meine Firma erreichbar? Wann stelle ich die digitalen Medien einfach aus, weil nun Feierabend ist? Wann tue ich einfach mal nichts? Und finde ich auch noch Zeit über mich nachzudenken, was mich ausmacht und was ich will? Diese Fragen gelten auch für Schulkinder. Mich hat erschreckt, dass von Homeschooling die Rede war, obwohl offiziell die Osterferien angebrochen waren.
Wenn in der Krise existentielle Probleme entstehen, dann beschäftigt die Menschen die Frage nach der Zukunft: Wie kann es weitergehen? Was ist mit meinem Job? Braucht mich meine Firma jetzt überhaupt noch? Was wird dann aus der Familie? Fragen, die sich nicht so leicht beantworten lassen. Das ist nichts Gutes, was die Krise gebracht hat. Viele Menschen werden noch lange darunter zu leiden haben.


Gut ist aber, dass die Ideen zur Bewältigung der Krise unendlich sind. Angefangen bei den vielen Mund-Nase-Abdeckungs-Näherinnen (das waren in der Tat meistens Frauen) über den Einkaufsservice für die älteren Nachbarn und die vielen neuen Kommunikationskanäle, die nun erschlossen wurden. Skypen mit den Großeltern, Zoom-Konferenzen anstelle von Dienstbesprechungen, die Nutzung von Chatrooms für einen schnellen Informationsaustausch.
Gerade neulich habe ich von einer Firma gehört, die Tablets für Ferienwohnungen herstellt und programmiert, dass diese nun ihre Produkte an Seniorenheime verschenkt, damit es Videotelefonate zwischen Enkeln und Großeltern geben kann. Diese Solidarität ist eine gute Seite, die durch die Krise sichtbar wurde. Die Aufmerksamkeit füreinander ist wirklich gewachsen und ich wünsche mir, dass es so bleibt und nicht jeder wieder hinter seiner Wohnungstür verschwindet ohne Interesse für den Nachbarn.
Gesellschaftlich haben wir gesehen, dass die sozialen Berufe immens wichtig sind. Das wird sich hoffentlich auch finanziell auswirken und nicht nur im abendlichen Applaus vom Balkon.
Vielleicht haben die Verantwortlichen auf politischer Ebene nun auch begriffen, dass Krankenhäuser u.ä. nicht in die Hände von gewinnorientierten Konzernen gehören. Wenn Mitarbeiter*innen ständig an ihre Belastbarkeitsgrenzen (und das war schon vor Covid-19 der Fall) gebracht werden, dann ist das auf Dauer nicht durchzuhalten.
Gesellschaftlich gesehen sind die Schwachstellen des Kapitalismus offen zu Tage getreten. Jetzt ruft jeder große DAX-Konzern nach einer Soforthilfe vom Staat, also vom Steuerzahler. Ich hoffe nur, dass diese Hilfen nicht pauschal gezahlt, sondern an Bedingungen geknüpft werden, und dass die Großen sich mal hinten anstellen, hinter den Mittelstand und die vielen kleinen Geschäftsleute.
Das Gute an der Krise? Wir haben uns verändert. Wir haben gelernt, mit der Angst umzugehen und aus dieser Angst eine Energie entstehen lassen, die uns zu Lösungen führt. Das Virus ist nicht weg, auch wenn wir wieder nach draußen gehen. Achtsamkeit bleibt das Gebot unserer Tage.
Lassen Sie uns Gott dafür danken, dass er die Menschen mit einem gesunden lernfähigen Verstand ausgerüstet hat. So lange wir leben, dürfen wir auf seinen Segen hoffen. Und wie nötig der ist, haben die ersten Gottesdienste nach dem Versammlungsverbot gezeigt.
Nun gilt es die gegenseitige Wahrnehmung in die rasante Zeit des Wieder- zurück- zum- Alten hinüber zu retten. Dann wäre der Krise noch ein Kollateralnutzen abzugewinnen.
Jede Krise (Griechisch: Entscheidung, Urteil, Gericht) gibt uns die Chance, das Leben neu zu betrachten und Entscheidungen zu fällen. Eine Krise ist wie eine Wanderung durch die Wüste. Wer sich auf den Weg zu ihrer Durchquerung macht, kommt auf der anderen Seite als ein Anderer wieder heraus. Freuen wir uns also auf ein anderes Leben in der Zeit danach.


Ihre Pastorin Ulrike Witte


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