Ev.- Luth. Kirchengemeinde Heiligengeist in Kiel

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Wenn der Tod in unser Leben tritt | Rituale

Wir alle sind irgendwann von ihm betroffen: vom Tod, der in unser Leben tritt. Aber oft wissen wir nicht, wie wir uns verhalten sollen - als Angehörige oder auch als Freunde, Bekannte und Nachbarinnen.

In solchen Situationen ist es gut, dass es Rituale gibt, um die schwierigen Lebensphasen zu überstehen. Viele der Rituale jedoch, die uns beim Tod und einer Beerdigung helfen können, sind in Vergessenheit geraten und auch ihr Sinn erschließt sich häufig nicht mehr. „Frau Pastorin, was sage ich denn meiner Nachbarin, deren Mann gerade verstorben ist, wenn ich sie sehe?“ Das aufrichtige „mein Beileid“ oder „meine Anteilnahme“ kann helfen als gesprochenes oder geschriebenes Wort, weil es nicht banal wirkt. In ihrer langen Geschichte bergen diese Worte Mitgefühl, ohne im modernen Ausdruck banal zu wirken.

Dann kommt die Trauerfeier und ist für viele Angehörige ein Angang, nicht nur wegen der überbordenden Trauer, sondern weil Unsicherheit dazu kommt. Die Rituale, die Sicherheit geben, sind in Vergessenheit geraten. Auch die Trauergemeinde ist unsicher geworden. Wie verhält man sich denn „richtig“? Schauen wir hin, was in der Trauer tragen kann und warum diese Gesten sinnvoll und wichtig sind. Beim Besuch einer Trauerfeier ist es Brauch, beim Gang in die Kirche oder Kapelle nach vorne zu gehen, kurz stehen zu bleiben, inne zu halten oder ein kurzes Gebet zu sprechen. Wer hat und mag, legt eine Blume ab, wenn sich nach der Trauerfeier nicht ein gemeinsamer Gang zum Grab anschließt und die Blumen dort ins Grab geworfen werden. Warum aber spielen Blumen bei einer Trauerfeier so eine große Rolle? Der Grund liegt darin, dass gerade sie die Vergänglichkeit symbolisieren: „Ein Mensch ist in seinem Leben wie Gras, er blüht wie eine Blume auf dem Felde; wenn der Wind darüber geht, so ist sie nimmer da, und ihre Stätte kennet sie nicht mehr. Die Gnade aber des HERRN währt von Ewigkeit zu Ewigkeit.“ (Psalm 103,15-17). Wir vergehen auch wie eine Blume, aber Gottes Gnade trägt uns.

Während bei der Trauerfeier gesungen wird, weil so Lob und Klage ausgedrückt werden, findet der gemeinsame Weg zum Grab schweigend statt. Er schenkt uns die Möglichkeit, respektvoll an den oder die Verstorbene zu denken oder auch das eigene Leben zu bedenken. Vielfach halten das Menschen nicht aus und plappern auf dem Weg munter drauf los – entweder mit Geschichten über den oder die Verstorbene oder auch alltägliche Belanglosigkeiten. Das ist nicht böse gemeint, aber zeigt, dass viele Menschen die Trauer nicht aushalten können. Dabei kann es heilende Wirkung haben, sich diesen Gefühlen auszusetzen. Es ist ja ein geschützter Rahmen, weil der Trauerweg begrenzt ist. Es ist wie die Schweigeminute, die wir in Zeiten von Katastrophen einlegen – eben im kleineren Rahmen. Gut, wenn Menschen, die diesem Trauerzug begegnen, ebenfalls innehalten. Ein Taxi, das in einem Dorf einem Trauerzug auf den Bürgersteig ausweicht und hupend an uns vorbeirauscht, ist verletzend. Aber auch der Mann, der auf dem Nachbargrab weiter Blumen einpflanzt, ist sich unsicher, was er sonst tun könnte: Mütze abnehmen, innehalten, ein Gebet sprechen für den unbekannten Verstorbenen und für sich selbst, zum Beispiel: „Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.“ (Psalm 90,12).

Wie wir auch gehen, wer auch immer uns begegnet, nach einer gewissen Zeit kommt der Trauerzug am Grab an. Und dann hören die Trauernden die Worte des Pastors oder der Pastorin: „Erde zu Erde, Asche zu Asche, Staub zu Staub“ oder auch „Es wird gesät verweslich und wird auferstehen unverweslich. Es wird gesät in Niedrigkeit und wird auferstehen in Herrlichkeit. Es wird gesät in Schwachheit und wird auferstehen in Kraft.“ Danach erfolgt der dreimalige Erdwurf. So nehmen wir endgültig Abschied. Früher haben die Angehörigen das Zuschaufeln des Grabes selbst übernommen. Es war eine Notwendigkeit, denn Bestatter gab es vor Jahrhunderten noch nicht. Aber es war auch heilend – körperliche Anstrengung kann helfen, der Trauer zu begegnen. Heute ist diese durch den Erdwurf nur noch ritualisiert, aber erinnert uns wie die Blumen, die wir werfen, an die Vergänglichkeit des Lebens und zugleich an unseren Schöpfer: „Da machte Gott der HERR den Menschen aus Staub von der Erde und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase. Und so ward der Mensch ein lebendiges Wesen.“ (1. Mose 2,7) Gott hat uns erschaffen. Wir kehren zu seiner Erde zurück und zugleich schenkt er uns das ewige Leben. Deshalb steht bei katholischen Beerdigungen Weihwasser bereit – der Sarg wird nicht nur dreimal mit Erde beworfen, sondern auch dreimal mit Wasser besprenkelt: „Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ Durch die Taufe sind wir mit Gott verbunden. Durch seine Auferstehung sind wir behütet und beschützt. In diesem Glauben können wir auch die traurigsten Momente unseres Lebens überstehen.

Pastorin Sigrun König


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21.04.2018

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