Ev.- Luth. Kirchengemeinde Heiligengeist in Kiel

Chöre

60 Jahre Heinrich-Schütz-Kantorei in Kiel

von Reinhart Kauffeld

Die Heinrich-Schütz-Kantorei gehört zu den ältesten Kirchenchören in Kiel. Gegründet wurde sie im Jahr 1948 zu einer Zeit, als Kiel noch unmittelbar von den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs gezeichnet war. Trotzdem gelang es dem damaligen Kirchenmusiker der Heiligengeistgemeinde Georg Langeheinecke Menschen fürs Singen zu begeistern. Zum Glück hielten sich die kriegsbedingten Schäden an der Pauluskirche in Grenzen, so dass der Chor hier zusammen kommen konnte. Aus Anlass des 60-jährigen Jubiläums führte die Heinrich-Schütz-Kantorei am 29. November in der Citykirche St. Ansgar und am 30. November in der Pauluskirche das Magnificat und Weihnachtsoratorium, I – III von Johann Sebastian Bach auf. Die Leitung hat der jetzige Chorleiter Andreas Koller.

Gut 20 Jahre führte Langeheinecke die Sängerinnen und Sänger. “Aber der Chor war mit ihm alt geworden”, berichtet Charly Braun, ein Sänger, der 1967 dem Chor beitrat und noch heute dazu gehört. Deshalb übernahm Albrecht Weberruß, ein Musiklehrer der Kieler Gelehrtenschule 1970 das Kantorenamt. Mit ihm verjüngte sich der Chor erheblich, denn es gelang ihm, die Elternschaft und die Lehrer der Schule für die Kirchenmusik zu begeistern. Und Weberruß führte eine Tradition ein, der sich noch heute viele Kieler Chöre verpflichtet fühlen: die Mitternachtskonzerte zur Kieler Woche – heute die Nacht der Chöre. Weberruß nahm diese Konzerte zum Anlass, sich vor allem modernen Komponisten zu widmen.

Im Jahr 1982 übernahm Karl-Heinz Drews die Kantorei. Er legte den Schwerpunkt seiner Arbeit in die Auseinandersetzung mit der „historischen Aufführungspraxis“. „Es galt jetzt“, so Drews, „durch exakte Phrasierung musikalische Motive deutlich herauszuarbeiten und durch deutliche Artikulation Sprachakzente zu setzen.“ Für Zuhörer und Kritiker ein nicht leicht zu fassendes Novum, das die Chormitglieder aber begeistert. So schreibt Elke Petersen, die mit ihrem Mann zwanzig Jahre in der Kantorei gesungen hat: „Wir wussten gar nicht, wie leicht und beschwingt man nach einer intensiven, anstrengenden Probe, nach einem langen Arbeitstag mitten in der Nacht nach Hause schweben kann.“ Bei seiner Verabschiedung im Jahr 1994 sagte Drews: „Singen heißt Verstehen und ist somit ein wichtiger Teil der Verkündigung. Der Heiligengeistgemeinde möchte ich die Verpflichtung ans Herz legen, alles zu tun, die Kantorei in ihrer Arbeit zu unterstützen.“

Heinrich Schütz KantoreiDiese Verpflichtung hat die Heiligengeistgemeinde ernst genommen, denn seit 1994 leitet nun Andreas Koller die Heinrich-Schütz-Kantorei, die inzwischen auf siebzig Sängerinnen und Sänger angewachsen ist. Koller, Jahrgang 1964, studierte in Lübeck Kirchenmusik. Seit April 1999 ist er der zweite evangelische A-Kirchenmusiker in Kiel. Außer mit der Heinrich-Schütz-Kantorei arbeitet er mit dem Palestrina-Ensemble und zwei Kinderchören. Er ist als Organist, Cembalist und Pianist tätig. In der Formation 'zwischentöne.jazz' widmet er sich zudem als Pianist dem Modern-Jazz.

Seit einiger Zeit führt die Heinrich-Schütz-Kantorei zwei Mal im Jahr große Konzerte auf. Neben der Chor-Musik für die Gottesdienste, der A-cappella-Literatur und den Bach-Kantaten studiert der Chor vor allem die großen Chorwerke der Kirchenmusik ein. Dazu gehörten in den letzten Jahren die Requien von Mozart, von Salieri, von Duruflé und Fauré, das Deutsche Requiem von Brahms, die Johannes-Passion, das Magnificat, das Weihnachtsoratorium und die h-moll Messe von Bach, das Stabat Mater und das Requiem von Dvorák, die Johannes-Passion von Heinrich Schütz, der Paulus und der Elias von Mendelssohn Bartholdy.

Um die Finanzierung solch großer Werke mit Orchester und Solisten kümmert sich der Förderverein „Freunde der Kirchenmusik Heiligengeist in Kiel e.V.“ Durch die beharrliche Anwerbung von Mitgliedern, Förderern und Donatoren gelingt es Bärbel Naeve, der Vorsitzenden, einigermaßen Planungssicherheit zu schaffen. Vier Chorreisen führten die Heinrich-Schütz Kantorei in den vergangenen Jahren nach Polen, Frankreich, Rom und dieses Jahr nach Budapest. Wie engagiert die Sängerinnen und Sänger für ihre Kantorei eintreten, zeigt folgende Episode: In Budapest gab es wegen einer Panne bei der Post keine Plakate für das Konzert in der Matthias-Kirche auf dem Budaberg. Also schwärmten die Chormitglieder aus und luden die vorbeikommenden Touristen persönlich ein. Immerhin lauschten zweihundert Besucher dem Konzert. “So etwas schweißt den Chor zusammen”, weiß Christine Klaiber aus dem Sopran.

Die Heinrich-Schütz-Kantorei widmet sich vor allem den großen Chorwerken der Kirchenmusik. Neben der Chormusik für Gottesdienste, der A-cappella-Literatur und den Bachkantaten führt sie zwei Mal im Jahr große Konzerte auf.

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21.04.2018

Stricke des Todes hatten mich umfangen, ich kam in Jammer und Not. Aber ich rief an den Namen des HERRN: Ach, HERR, errette mich!

Psalm 116,3.4