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Denn alles wirkliche Leben ist Begegnung!
Am 6. März 2011 wurde das neue Gemeindezentrum neben der Ansgarkirche mit einem Festgottesdienst feierlich eingeweiht. Das Gemeindezentrum beheimatet die Büros, die Kinderstube, die Begegnungsstätte und den Gemeindesaal.
Am 6. März 2011 wurde das neue Gemeindezentrum neben der Ansgarkirche mit einem Festgottesdienst feierlich eingeweiht. Das Gemeindezentrum beheimatet die Büros, die Kinderstube, die Begegnungsstätte und den Gemeindesaal.
Die Kirchengemeinde als Baustelle
Der bedeutende Religionsphilosoph Martin Buber war es, der die Behauptung aufgestellt hat, dass alles wirkliche Leben Begegnung sei. In seiner Anschauung von Religion spielt der Faktor der Begegnung tatsächlich die herausragende Rolle.
Nun könnte man seiner These auch schnell zustimmen und sagen: Ja, der Umgang mit anderen Menschen ist tatsächlich ganz wichtig, denn wer möchte schon gerne alleine sein und für sich isoliert bleiben. Alles das, was unser Leben zu einem gelingenden Leben macht, gründet nun einmal in dem Miteinander der Menschen. Dementsprechend können wir auch einigermaßen stolz sein auf das soziale Verhalten und die Fürsorge, die auch Randgruppen der Gesellschaft nicht übersieht. Und schließlich: wie kümmerlich sähe unser Leben ohne Kommunikation aus, also ohne die Gespräche, ohne die Geselligkeiten und ohne Partnerschaften und Freundeskreise.
So gesehen wirkt die These von Martin Buber nahe liegend, vielleicht sogar selbstverständlich. Aber der entscheidende Punkt liegt darin, dass der Religionsphilosoph doch noch eine andere Vorstellung von Begegnung hat, als es in unserer Umgangssprache zum Vorschein kommt. Er wollte nämlich Begegnung nicht auf die Kontakte unter Menschen einengen, für ihn findet sie vielmehr in besonderer Weise dort statt, wo ein Mensch mit sich selbst ins Gespräch kommt und dabei eine Erfahrung von Transzendenz macht. Mit anderen Worten ausgedrückt heißt das, Begegnung fi ndet zunächst dort statt, wo ich selbst mit Gott ins Gespräch komme, wo ich einen Dialog aufnehme, der über das hinausgeht, was andere Menschen mir zu sagen haben.
Der Satz „alles wirkliche Leben ist Begegnung“ schließt also die Gottesbegegnung nicht nur ein, sondern setzt sie an die erste Stelle, macht aus ihr sogar eine Voraussetzung für das gelingende Miteinander der Menschen in ihrem Alltag. Biblisch betrachtet ist die These von Martin Buber durchaus interessant. Wenn wir danach fragen, in welcher Weise vor rund zweitausend Jahren aus dem Wirken Jesu heraus eine Kirche entstanden ist, dann wird unsere Aufmerksam keit sehr schnell auf diesen Einfluss der Begegnung gelenkt. Jesus ermöglichte Gottesbegegnungen, indem er den Menschen als Mensch gegenübertrat und zwar ausdrücklich in deren gewohnten alltäglichen Lebenszusammenhängen.
Zwar diskutierte er auch mit den Schriftgelehrten in den Synagogen und am Tempel, wichtiger sind aber allemal die Ereignisse, die sich am Brunnen abspielten, auf der Strasse und in den Wohnungen. Es ist sogar auffallend, dass er dabei gezielt an die Grenzen ging, etwa wenn er sich in das Haus eines im schlechten Leumund stehenden Zöllners einladen ließ, wenn er sich einer in der ganzen Stadt bekannten Sünderin zuwendete, oder wenn er sich mit Menschen an einen Tisch setzte, die von den meisten argwöhnisch betrachtet wurden. An die Grenzen zu gehen, sich Menschen in ihren eigenen Lebenssituationen zuzuwenden, Kontakt mit jenen aufzunehmen, die sonst kaum beachtet werden, alles das kann und sollte deshalb einer der Grundimpulse für die Herausbildung von Gemeinde betrachtet werden.
Das zweite, was wir beobachten können, wenn wir darauf schauen, wie so etwas wie „Gemeinde“ in der frühen Christenheit entstanden ist, das ist die Gastfreundschaft. Der Neutestamentler Klaus Berger geht sogar so weit, dass er sagt, ohne Gastfreundschaft wäre Kirche in ihren Anfängen gar nicht möglich geworden. Jesus selbst rechnet mit der Gastfreundschaft, wenn er der Gemeinschaft im Mahl eine so hohe Bedeutung beimisst, und die Urgemeinde, die zunächst ja noch gar keine eigenen Räume hatte, war auf die Gastfreundschaft in den Wohnungen schlichtweg angewiesen.
Wenn nun Gastfreundschaft und Begegnung als die zentralen Elemente der frühen Christenheit gelten können, kann die Entwicklung von Gemeinde auch in unserer Zeit daran nicht achtlos vorbeigehen. Knapp zwei Jahre haben die Bauarbeiten an den neuen Gebäuden unserer Gemeinde von der Planung bis zur Fertigstellung in Anspruch genommen.
Nun sind das Gemeindezentrum an der Ansgarkirche und der Paulus-Pavillon an der Pauluskirche fertig und sollen das Gemeindeleben bereichern. Aber auch das wird noch einmal unseren ganzen Einsatz erfordern. Nach der Baustelle der Kirchengebäude gilt es nun, die „Baustelle Gemeinde“ aufzunehmen.
Im Rahmen einer ausführlichen Klausur wird sich der Kirchenvorstand im März mit der Frage beschäftigen, wie das Leben aussehen soll, das wir uns für die neuen Gebäude wünschen. Auf jeden Fall soll es lebendig werden in unseren neuen Heimen. Ein buntes und breit gefächertes Angebot wollen wir der Gemeinde unterbreiten und dabei möglichst für alle Interessen und vor allem auch für alle Lebenslagen passende Projekte bereithalten. Bis wir da zu einem tragfähigen Ergebnis kommen, wird gewiss noch etwas Zeit benötigt, und besonders schön wäre es, wenn Sie uns Ihre Anregungen mitteilen und Vorschläge machen würden.
Aber schon jetzt, mit der feierlichen Eröffnung des Gemeindezentrums am 6. März 2011, haben wir für Sie ein vielfältiges und sehr unterschiedliches Programm vorbereitet.
Zu diesen Veranstaltungen sind Sie alle herzlich eingeladen, denn eines steht auf jeden Fall schon jetzt fest: Gastfreundschaft und Begegnung sollen die neuen Gemeinderäume bereichern.
Pastor Matthias Viertel
