Ev.- Luth. Kirchengemeinde Heiligengeist in Kiel

Zwischen den Kirchtürmen: 100 Jahre Pastor Dr. Husfeldt, 100 Jahre Prof. Dr. Vollborn

Studentische Erinnerungen an Prof. Dr. Werner Vollborn

In meiner Pfarrstelle in der Heiligengeistgemeinde Kiel, die ich von 1996 bis 2002 innehatte, war ich später Nachfolger von Pastor Prof. Dr. Werner Vollborn. Mit ihm verbinden mich einige persönliche Erinnerungen, die anlässlich seines 100. Geburtstages am 30. August dieses Jahres natürlich wieder lebendig werden.

Neben seinem Pfarramt an der Pauluskirche vertrat er als Honorarprofessor an der theologischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität in Kiel das Fach Altes Testament. Die dortige Fakultät war zu meiner Studentenzeit mit rund hundert Studierenden relativ überschaubar. Man kannte sich untereinander und hatte vor allem näheren Kontakt zu seinen theologischen Lehrern.

Das war auch im hebräischen Sprachkurs bei Professor Vollborn so, den ich im Sommersemester 1961 belegte, um nach einem Semester das sogenannte Hebraicum, eine der drei für das Theologiestudium verbindlichen altsprachlichen Prüfungen, abzulegen. Dieser Kurs war an vier Wochentagen auf die akademisch recht unübliche frühe Zeit um 7.25 Uhr angesetzt. Professor Vollborn hatte zu dieser Stunde bereits das morgendliche Bad in der Förde hinter sich und versuchte gelegentlich, uns Studenten für ein derartiges erfrischendes "Vergnügen" zu begeistern.

Als Besonderheit seines Hebräischkurses erinnere ich, dass er – anders als beim Griechischlernen in Göttingen – nicht nur ein stures Pauken darstellte. Vielmehr war das Erlernen der Sprache eingebettet in interessante Informationen über Geschichte und Kultur des Heiligen Landes. So wurde in fast unterhaltsamer Weise eine "tote" Sprache für uns doch lebendig.

Im Anschluss an seinen Hebräischkurs hielt Professor Vollborn dann gleich seine alttestamentliche Hauptvorlesung, in jenem Semester über die Psalmen. Hieran wird deutlich, wie er sich durch eine solche ökonomische Zeiteinteilung Freiraum für seine pfarramtlichen Aufgaben schuf. Die Gemeindechronik bemerkt dazu: "Die Verbindung von Wissenschaft und Praxis wirkt sich auch im Kirchenbesuch und in der Gemeindearbeit positiv aus."

Nach einigen auswärtigen Studiensemestern kehrte ich im Wintersemester 1963/64 zur Vorbereitung auf die erste theologische Prüfung wieder nach Kiel zurück und wohnte im Evangelischen Studentenheim "Düsternbrook" am Schwanenweg, also im Bereich der Heiligengeistgemeinde. Hier lernte ich Professor Vollborn dann als Prediger kennen. Als solcher unterschied er sich erheblich von der dynamisch-emphatischen Art seines Kollegen Dr. Husfeldt. Er pflegte eher einen ruhigen, gleichsam dialogischen Predigtstil, beim Sprechen gelegentlich über die Kanzelbrüstung geneigt, so als wolle er seiner Hörergemeinde besonders nahe sein. Ein Zeitungsartikel anlässlich seines vorzeitigen, krankheitsbedingen Eintritts in den Ruhestand 1969 hebt besonders "seine klar aufgebauten, eindringlichen und in allgemeinverständlicher Sprache gehaltenen Predigten" hervor (KN, 30. 8. 1969).

Weil uns diese Predigtweise eher lag, besuchten wir Theologiestudenten aus dem Studentenheim sonntags vorzugsweise die von Professor Vollborn in der Pauluskirche gehaltenen Gottesdienste. Nebenbei meinten wir, es könne ja nicht schaden, wenn er uns als Mitglied der theologischen Prüfungskommission schon vor dem Examen optisch wahrnähme. "Gesichtspflege" nannte man das. An ihr hat es sicherlich nicht gelegen, dass er sich dann als honoriger Prüfer erwiesen hat.

Professor Vollborn hat – obwohl der Dienstältere – während seiner Amtszeit in der Heiligengeistgemeinde immer ein wenig im Schatten von Pastor Dr. Husfeldt gestanden. Ein Grund dafür war sicherlich die Tatsache, dass dieser seit 1937 bereits fast zwei Jahrzehnte – also auch in der schweren Kriegs- und Nachkriegszeit – in der Gemeinde alleine gewirkt hatte, als Professor Vollborn 1954 hier die neu errichtete zweite Pfarrstelle übernahm.

Beide gehörten dem Geburtsjahrgang 1909 an, kannten sich aus der Schul- und Studienzeit, hatten aber doch sehr unterschiedliche Berufswege. Während Dr. Husfeldt seine gesamte 35-jährige Dienstzeit in der Heiligengeistgemeinde verbrachte, hat Professor Vollborn, bevor er hier immerhin fünfzehn Jahre tätig war, in den vorangegangenen neunzehn Jahren verschiedene Berufsfelder kennengelernt.

Nach Studium und Promotion war Professor Vollborn zunächst Hilfsprediger in Bordesholm und an St. Nikolai in Kiel, danach Marinepfarrer. Nach dem Kriege habilitierte er sich im Fach alttestamentliche Theologie und lehrte ab 1949 als Dozent an der Christian-Albrechts-Universität. An eine zweijährige Tätigkeit als Studieninspektor am Predigerseminar in Preetz schlossen sich drei Jahre als Pastor an der Michaeliskirche in Kiel-Hassee an, ehe er 1954 einstimmig als Pastor der Heiligengeistgemeinde gewählt wurde. Da hatte er also bereits eine vielfältige berufliche Erfahrung hinter sich.

Dennoch blieb Dr. Husfeldt auch seinem Wesen entsprechend hier die dominierende Persönlichkeit. Doch gewann Professor Vollborn durch seine noble und vornehme Art im Laufe der Jahre zunehmend die Achtung und Zuneigung seiner Gemeinde, die auf sein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Amt mit großem Bedauern reagierte. Dass beide Pastoren dann, der eine schon im Ruhestand, der andere noch im Dienst, nach vielen Jahren schulischer, studentischer und kollegialer Verbundenheit im Alter von nur 63 Jahren am gleichen Tag, dem 29. Dezember 1972, fast zur selben Stunde heimgerufen worden sind, ist eine besondere, eigenartige Fügung, die die Heiligengeistgemeinde mit großer Betroffenheit und tiefer Trauer erfüllt hat.

Pastor i.R. Klaus Becker

 

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