Geistliches Wort
An Ostern wird Leben geschenkt.
Fassungslosigkeit, Trauer, Enttäuschung. All diese Gefühle hatten die Frauen, als sie am Ostermorgen zum Grab gingen. Jesus war ihnen entglitten, sie hatten ihren Halt verloren. Was tun – wie geht es weiter?
Vermutlich ist es hilfreich, den Fokus im Ostergeschehen genau auf diese 30 Sekunden eines grauen Morgens zu lenken, bevor der Engel in Erscheinung tritt und sagt: „Hier ist er nicht.“
Auf diesen Moment, in dem Trauer in Resignation übergeht. Und vielleicht fällt genau dann auch ein wenig Druck von den Schultern. Denn nichts mehr festhalten zu müssen, kann ebenso erschöpfen wie entlasten. Es ist immer eine schwierige Situation, etwas Altes, Geliebtes loslassen zu müssen. Diese Schwere darf ihren Raum haben.
Das Leiden in unserem Leben wird deutlich in der biblischen Erzählung vom Karfreitag. Deshalb ist es wichtig, nicht vorschnell von Ostern und „Alles wird gut“ zu reden. Ostern überspringt Karfreitag nicht. Aber als Christ kann ich sagen: Es ist nicht alles Gut – Aber mit Gott an meiner Seite kann es besser werden.
Zwischen Karfreitag und Ostern liegen nur zwei Tage – aber in meinem Leben kann diese Zwischenphase mehr Raum einnehmen als diese kurze Episode. Manchmal ist es gut, da zu verharren und nicht gleich zum nächsten zu gehen.
Als Jahreslosung gilt für 2026 das Bibelwort: „Siehe, ich mache alles neu.“ Der Text aus der Johannesoffenbarung wird oft bei Beerdigungen gelesen. Er spricht nicht von der jetzigen Situation, sondern von dem, was mit Gott im Laufe und am Ende der Zeit möglich ist: dass Trennungen überwunden werden, Schmerz gelindert wird und Menschen in Not aufgenommen werden.
Vielleicht hilft diese Perspektive auf das Ende der Zeit, schon hier und jetzt wahrzunehmen, wie Gott in den kleinen Dingen neu ordnet – leise, unscheinbar – und wie er im Bewährten Kraft schenkt.
Ihr Pastor Dr. Tim Schedel



