Geistliches Wort
Künstlich
Künstliche Intelligenz ist mittlerweile kaum noch wegzudenken und stellt uns vor ziemliche Herausforderungen. Wann ist sie sinnvoll, wann überflüssig, wann sogar schädlich? Aber nicht nur über diese Art der Künstlichkeit lässt sich streiten. An künstlicher „Wurst“ scheiden sich die Geister, und, ja, was zu Weihnachten ins Wohnzimmer einzieht: Ein „echter“ Weihnachtsbaum oder doch ein „künstlicher“, der sich ein paar Jahre wiederverwenden lässt. Aber nur mit dem echten Weihnachtsbaum gibt es die echten Weihnachtsgefühle. Oder?
Mit den Gefühlen ist es dabei so eine Sache. Wann fühlt sich etwas echt an, wann etwas „künstlich“? Künstlich hat dabei oft so einen faden Beigeschmack, dass etwas nicht ganz so gut sei wie das „Original“. Wenn etwas künstlich ist, dann sei es nur ein „Abklatsch“ vom Echten. Aber ganz ehrlich: Eigentlich ist das schon ziemlich genial. Die Fähigkeit, etwas Natürliches so „nachmachen“ und dadurch ermöglichen zu können, was ansonsten gar nicht umsetzbar oder denkbar wäre. In vielen Bereichen profitieren wir davon, gerade beim Abschauen aus der Natur. In der Technik (sei es etwa der Klettverschluss oder Lotuseffekt) oder in der Medizin (künstliche Befruchtung und vieles mehr). Wenn etwas künstlich ist oder passiert, dann ist es natürlich anders. Aber es ist auf keinen Fall und erst recht nicht automatisch schlechter.
Die künstliche Fröhlichkeit beim familiären Beisammensein zu Weihnachten wird oft negativ bewertet. Ich kann das verstehen. Wie schön wäre es, sich wahrhaftig fröhlich weihnachtlich zu fühlen in dieser Zeit und in diesem Zusammensein. Dabei ist es tatsächlich so, dass der Körper, wenn man beispielsweise lacht, nicht unterscheidet, ob es ein künstliches oder echtes Lachen ist. Beides ruft Glückshormone hervor. Mit diesem Wissen ist es vielleicht manchmal gut, sich auf künstliche Gefühle einzulassen und, wer weiß, vielleicht kann daraus etwas Echtes entstehen.
Übrigens, die Weihnachtsgeschichte ist auch ein Kunstwerk. Menschen haben sie ausgeschmückt mit künstlichen Details, die dieser Geschichte einen besonderen Glanz gegeben haben. Das bedeutet aber nicht, dass an der Geschichte alles falsch ist. Im Gegenteil: Im künstlichen Glanz glitzern echte Erfahrungen und Erkenntnisse. Dafür bedarf es aber möglicherweise ein offenes Herz und einen freien Blick.
Eine gute Mischung an echten Gefühlen und künstlicher Unterstützung zur Advents- und Weihnachtszeit wünscht Dir und Ihnen
Deine und Ihre Pastorin Daniela Meyer



